Studienabschnitt I

VORLESUNGEN SOMMERSEMESTER 2017

Vorlesungen im I. Studienabschnitt

Vorlesungszeit: 24. April -21. Juli 2017 (Pfingsferien 3.-6. Juni’17

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Fundamentaltheologie

Dozent: Prof. Dr. Christoph Binninger

Tradition – Lehramt

„Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft.“ (DV 10) Die Vorlesung beschäftigt sich zunächst mit der Frage nach der Tradition und ihrer Relation zur Hl. Schrift. Im II. Teil widmet sie sich dem Wesen und dem Vollzug des kirchlichen Lehramts. (3 SWS)

Literatur:

LG, DV.

KERN W., POTTMEIER H. (Hrsg.), Handbuch der Fundamentaltheologie, Bd. 4, Freiburg/Br. 1988.

FRIES H., Fundamentaltheologie, Wien 21985.

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Philosophiegeschichte

Dozent: Prof. Dr. Sigmund Bonk

Von Kant bis in die Gegenwart

Die Geschichte der Philosophie von Kant bis heute ist womöglich noch vielgestaltiger und facettenreicher als die aller voraus liegenden Epochen. Allerdings sind einige Hauptströmungen festzustellen: Die Fortsetzung der auf den Grundlagen vor allem Plantons und Aristoteles aufbauenden „Philosophia perennis“ (einschließlich des „Deutschen Idealismus“ und dessen Rechtsnachfolgern); der Naturalismus und Positivismus als eng miteinander verwandte Versuche, die Philosophie als eine Art „ancilla scientiae“ neu zu begründen; das Unterfangen, verschiedene „Philosophien“ in der sog. Krise der Religionen als rationale Weltanschauungen zu etablieren; die Bemühung um eine „Philosophie der Tat“, angefangen beim Marxismus bis hin zum amerikanischen Pragmatismus und – im Anschluss an die Aufklärung – das Konzept einer Philosophie als „Ideologiekritik“. Kant spielt bei all diesen Strömungen zumindest eine hintergründige Rolle, weswegen wir sein Denken etwas genauer und differenzierter in den Blick nehmen wollen. (3 SWS)

Literatur:
HIRSCHBERGER J., Geschichte der Philosophie in zwei Bänden, Bd. II, Köln 2000.

 

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Systematische Philosophie

Dozent: PD Dr. phil. habil. Gereon Piller

Metaphysik

Gegenstand der Vorlesung ist die Metaphysik im engeren Sinne (metaphysica specialis). Sie behandelt im Anschluss an die allgemeine Metaphysik (Ontologie) traditionell neben rationaler Kosmologie und Psychologie insbesondere die philosophische Gotteslehre (die sog. „natürliche Theologie“). Im Rahmen philosophisch-theologischer Propädeutik steht primär die Letztere im Zentrum und soll historisch wie systematisch in Schwerpunkten erarbeitet werden.

 

(1 SWS)

 

Literatur:

Stichworte „Metaphysik“ und „Gotteslehre“ in einem der einschlägigen Fachlexika (z.B. Historisches WB der Philosophie).

 

 

 

 

Christliche Sozialwissenschaften

Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

 

Politische Ethik

Das Verhältnis von Politik und Moral ist ein ständiges und unerschöpfliches Thema. Auch wer sich für Politik wenig interessiert, spürt doch gleichsam instinktiv, dass es einen Handlungsbereich gibt, in welchem Menschen, die in besonderer Weise Macht haben, über uns entscheiden. Der Verdacht und die Befürchtung, „die da oben“ missbrauchten ihre Macht zu ihrem Vorteil und zu unserem Schaden, sind latent vorhanden und finden auch aktuell leicht Nahrung. Es gibt nicht wenige Menschen, die ihre Verachtung für das „schmutzige Geschäft“ der Politik ausdrücklich moralisch begründen. Von Seiten der Christlichen Sozialwissenschaften stellt sich die grundsätzliche Frage, inwieweit die katholische Kirche einen Pluralisierungsprozess in der Gesellschaft mitgehen und -tragen kann, bzw. in welchem grundsätzlichen Verhältnis sie zur Demokratie als Staatsform steht. An welchen Stellen und in welcher Form sind Kooperationen zwischen Kirche und Staat zu begrüßen und wo bzw. wann sind diese abzulehnen?

 

(3 SWS)

 

Literatur:

Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden (Hg.): Kompendium der Soziallehre der Kirche, Freiburg/Br. 2006 (Erstausgabe in italienischer Sprache, Vaticana 2004).

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz/ Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hg.): Demokratie braucht Tugenden (= Gemeinsame Texte, Nr. 19), Bonn/Hannover 2006.

RAUSCHER A. (Hg.): Handbuch der Katholischen Soziallehre, Berlin 2008.

FISCHER P., Politische Ethik, Paderborn 2006.

JESSE E., Die Parteiendemokratie in der Krise (= Kirche und Gesellschaft, Nr. 351), Köln 2008.

JÜSTEN K., Ethik und Ethos der Demokratie, Paderborn 1999.

RAUSCHER A., Christlicher Glaube und politische Ethik (= Kirche und Gesellschaft, Nr. 288), Köln 2002.

SUTOR B., Katholische Soziallehre als politische Ethik. Leistungen und Defizite, Paderborn 2013.

SCHOCKENHOFF E., Zur Lüge verdammt? Politik, Medien, Medizin, Justiz, Wissenschaft und die Ethik der Wahrheit, Freiburg/Br. 2000.

 

 

 

 

Christliche Sozialwissenschaften

– Seminar –

Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

 

Die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“ des II. Vatikanischen Konzils

Der Beginn II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) liegt über fünfzig Jahre zurück. Am 11. Oktober 1962 eröffnete Papst Johannes XXIII. die bislang größte Kirchenversammlung. Als eines der letzten Dokumente des Konzils wurde vor fünfzig Jahren (Ende 1965) die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“ verabschiedet. In diesem Text hat sich die katholische Kirche in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß mit der „Welt“ beschäftigt. Mehr als jedes andere Konzilsdokument haben diese Texte ihren Ursprung im Konzil selbst. In einem Maß, wie dies höchstens noch bei der Erklärung über die Religionsfreiheit der Fall ist, hat sich dieser Konzilstext von den vorbereiteten Entwürfen gelöst. Die Kapitel und deren einzelne Texte sind mit verschieden großer Kompetenz erarbeitet worden. Besonders der verstorbene Papst, Johannes Paul II., hat zentrale Texte (z.B. über die Würde der menschlichen Person) maßgeblich mitgestaltet.

Das Seminar befasst sich eingehend mit den Texten der Pastoralkonstitution, geht auf die Entstehungsgeschichte ein und schildert deren teilweise bis heute andauernden kontroversen Diskussionen. In kaum einem anderen Dokument wird der „Geist des Konzils“ unterschiedlicher ausgelegt. Worin liegen die Stärken in diesem Dokument, worin die Schwächen?

 

(2 SWS)

 

Literatur:

Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute (lateinisch/deutsch), in: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 14, Freiburg/Br. 2. Auflage 1968, S. 280-592.

RAHNER K., VORGRIMLER H. (Hg.), Kleines Konzilskompendium. Sämtliche Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, Freiburg/Br. 35. Auflage 2008.

Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden (Hg.): Kompendium der Soziallehre der Kirche, Freiburg/Br. 2006 (Erstausgabe in italienischer Sprache, Vaticana 2004).

BARAÚNA G. (Hg.), Die Kirche in der Welt von heute. Untersuchungen und Kommentare zur Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ des II. Vatikanischen Konzils, Salzburg 1967.

TUECK J.-H. (Hg.), Erinnerung an die Zukunft. Das Zweite Vatikanische Konzil, Freiburg/ Br. 2012.

 

 

 

 

Kirchengeschichte
Dozent: Prof. Dr. Wolfgang Vogl

 

Kirchengeschichte der Neuzeit:

Von der Französischen Revolution bis zum Zweiten Vatikanum

Die Kirche ist seit der Französischen Revolution von 1789 mit den Herausforderungen des modernen Zeitalters konfrontiert, das geprägt ist durch Aufklärung, Revolutionen, Liberalismus und den Fortschritt in Technik und Wissenschaft. Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zerbrach in Europa die bisherige konfessionell geprägte Einheit von Kirche, Staat und Gesellschaft. In vielfältiger Weise versuchte die Kirche des 19. Jahrhunderts in Kirchenpolitik, Seelsorge, Kirchenorganisation, Theologie und Spiritualität auf diese epochale Wende zu reagieren. Bis zum Ersten Vatikanum 1869/70 antwortete die Kirche auf die Herausforderungen der Moderne in eher defensiver, antiliberaler und ultramontaner Weise, konnte dabei aber ihre Identität wahren und vertiefen. Im Streben nach Freiheit gegenüber staatskirchlicher Bevormundung wurde die Kirche im Laufe des 19. Jahrhunderts zur übernationalen Weltkirche. In der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Vatikanum wurde die defensive Haltung der Kirche gegenüber der Moderne immer mehr aufgebrochen, was sich auch in inneren Richtungskämpfen manifestierte, wie besonders die Modernismuskrise zeigt. Nach der Konfrontation mit den Totalitarismen des Faschismus und Kommunismus bemühte sich die Kirche auf dem Zweiten Vatikanum 1962–1965 um größere Katholizität und Universalität, um Inkulturation, um die Wiedergewinnung der ganzen Tradition der kirchlichen Überlieferung, um die Relativierung zeitbedingter Festlegungen und um die lange aufgeschobene positive Auseinandersetzung mit der von der Aufklärung geprägten Ideen der modernen Welt.

 

(3 SWS)

 

Literatur:

FRANZEN A., Kleine Kirchengeschichte, Freiburg i. Br. 1965.

SCHATZ K., Kirchengeschichte der Neuzeit (= Leitfaden Theologie), Düsseldorf 2003.

AUBERT R., u.a., Die Kirche zwischen Revolution und Restauration (= Jedin, Hubert (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Band VI/1), Freiburg i. Br. 1971).

AUBERT R., u.a., Die Kirche zwischen Anpassung und Widerstand 1878 bis 1914 (= Jedin, Hubert (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Band VI/2), Freiburg i. Br. 1973).

ADRIANYI G., u.a., Die Weltkirche im 20. Jahrhundert (= Jedin, Hubert (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Band VII), Freiburg i. Br. 1979).

HEIM M., Kirchengeschichte in Daten (Beck’sche Reihe 1704), München 2006.

EDER M., Kirchengeschichte. 2000 Jahre im Überblick, Düsseldorf 2008.

HEIM M., Einführung in die Kirchengeschichte, (C.H. Beck Studium), München 2008.

HEIM M. (Hg.), Kleines Lexikon der Kirchengeschichte, München 1998.

SCHWAIGER G. und HEIM M., Kleines Lexikon der Päpste, München 2006.

 

 

 

NT-Einleitung
Dozent: Prof. Dr. Adrian Wypadlo

 

Jesus von Nazareth – aus historischer Sicht:

Im Laufe eines Theologiestudiums begegnen dem Studierenden verschiedene Personen der Kirchen- und Weltgeschichte: Von Heraklit bis Pseudo-Dionysios Areopagita, von Pelagius bis Hegel. Doch nur selten wird die Person Jesu von Nazareth in historischer Sicht thematisiert. Das verwundert angesichts der Tatsache, dass das Interesse an dieser faszinierenden Person der Antike diesseits und jenseits der verfassten Kirchen kontinuierlich groß ist. Dies macht die kaum mehr überblickbare Menge produzierter „Jesus-Bücher“ unmissverständlich deutlich. Dem angesprochenen Missstand möchte die Vorlesung im kommenden Sommersemester ein wenig abhelfen. Dabei geht es vor allem darum, den Stand der wissenschaftlichen Forschung darzustellen. Was können wir heute vom historischen Jesus wissen? Dabei kann es nicht mehr – wie in Zeiten der alten Leben-Jesu-Forschung – darum gehen, eine Biographie Jesu zu schreiben. Dies ist unmöglich! Gleichwohl ist es möglich, die Konturen dieser tief im jüdischen Glauben verwurzelten Persönlichkeit samt seiner theologischen Botschaft zu rekonstruieren. So kann die historische Beschäftigung mit Jesus von Nazareth als Hinführung zu dem dienen, der uns Christen als die maßgebende Person schlechthin gilt.

 

(1 SWS)

 

Literatur:

GNILKA J., Jesus von Nazaret. Botschaft und Geschichte. Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Suppl.-Bd. 3. Freiburg i. Br. u.a. 1991.

THEIßEN G., Der Schatten des Galiläers. Historische Jesusforschung in erzählender Form. Gütersloh 1993.

THEIßEN G., MERZ A., Der historische Jesus. Ein Lehrbuch. Göttingen 1997.