Vorlesungsverzeichnis Studienabschnitt I frühere Semester

Vorlesungen Sommersemester 2018            (Beginn: 09. April 2018)

 

Fundamentaltheologie – Dozent: Prof. Dr. Christoph Binninger

Offenbarung                                                                                                                        „Es hat Gott in seiner Güte und Weisheit gefallen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens bekannt zu machen (vgl. Eph 1,9), dass die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und der göttlichen Natur teilhaftig werden (vgl. Eph 2,18; 2 Petr 1,4)“. DV 2. Die Vorlesung setzt sich mit der Wirklichkeit und der Dimension der göttlichen Offenbarung auseinander. Folgende Themen werden behandelt (2 SWS):

  1. Neuzeitliche Offenbarungskritik (u. a. Problematik des Deismus)
  2. Der Mensch als Adressat einer möglichen Offenbarung Gottes – die Gottoffenheit des Menschen
  3. Offenbarung und Hl. Schrift
  4. Das Offenbarungsthema auf dem Vaticanum I und dem Vaticanum II.

Literatur:                                                                                          Konzilsdokumente: DV.                                                                                        KERN, W., POTTMEYER, H. und SECKLER, M. (Hrsg.), Handbuch der Fundamentaltheologie, Bd. 2, Freiburg/ Br. 2000².                                        DE LUBAC, H., Die göttliche Offenbarung, Freiburg/ Br. 2001.                VERWEYEN, H., Gottes letztes Wort. Grundriss der Fundamentaltheologie, Regensburg 20024.

 


Fundamentaltheologie  (Seminar) – Dozent: Prof. Dr. Christoph Binninger

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) – Das Christentum und die Religionen                                                                        Das Seminar möchte zunächst die wichtigsten theologischen Grundlehren der Weltreligionen (Buddhismus, Hinduismus, Islam und Judentum) herausarbeiten. In einem zweiten Schritt be­schäftigt sich die Lehrveranstaltung mit der aktuellen Frage des Religionspluralismus (u. a. Hick, Knitter, Schmidt-Leukel) und stellt die Frage nach der Einzigkeit und Heilsuniversalität Jesu Christi im Lichte des II. Vaticanum und der sich daran anschließenden lehramtlichen Dokumente.  (2 SWS)

Literatur:                                                                                            Konzilsdokumente: NA, LG.                                                                               MÜLLER, G. L./ SERRETTI, M. (Hrsg.), Einzigkeit und Universalität Jesu Christi. Im Dialog mit den Religionen, Freiburg/ Br. 2001.   KERN, W. / POTTMEYER, H. / SECKLER, M. (Hrsg.), Handbuch der Fundamentaltheologie, Bd. 2, Freiburg/ Br. 2000².                         KASPER, W. (Hrsg.), Absolutheit des Christentums, Freiburg/ Br. 1977.                                                                                                              Internationale Theologenkommission, Das Christentum und die Religionen, 1996 (= Arbeitshil­fen, hrg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Nr. 136).                                           Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung „Dominus Jesus“. Über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche, Rom 2000.                                                                                                  Johannes Paul II., Enzyklika „Redemptoris missio“ (= AAS 83 (1991)).                                                                                                                                Paul VI., Apostolisches Schreiben „Evangelii nuntiandi“ (= AAS 68 (1976)).

 


Philosophiegeschichte – Dozent: Prof. Dr. Sigmund Bonk

Spätantike und mittelalterliche Philosophie                                              Der in hellenistischer Zeit schließlich ein wenig erlahmte Höhenflug der klassischen griechischen Philosophie erhält durch das weltgeschichtliche Ereignis des im römischen Imperium sukzessive an Einfluss gewinnenden Christentums neue Kraft und eine veränderte Richtung. Vorbereitet durch spätrömische Denker wie Seneca, Marc Aurel und vor allem Plotin, leistet Augustinus (+430 n. Chr.) eine für die nachfolgenden Jahrhunderte richtungweisende Synthese von säkula­rer Philosophie („Weltweisheit“) und christlichem Glauben („Heilsweisheit“). Der Hl. Augustinus und die Heraufkunft der Scholastik mit ihrem größten Meister, dem Hl. Tho­mas von Aquin, stellen bedeutende Wegmarken in der Geschichte des abendländischen Denkens dar, deren Verständnis bis heute für jede seriöse Arbeit im Schnittfeld von Philosophie und Theologie ganz unentbehrlich ist. Auch lässt sich nur von hier aus ermessen, was die – spätestens mit Nicolaus Cusanus einsetzende – Renaissance und vielberufene „Neuzeit“ eigentlich ausmachen, wobei es freilich darauf ankäme, Verlust und Gewinn besonnen abzuwägen. (3 SWS)

Literatur:                                                                                                      HIRSCHBERGER, J., Geschichte der Philosophie. Bd. I: Altertum und Mittelalter. Bd. II: Neuzeit und Gegenwart. Köln 2000.

 


Christliche Sozialwissenschaften – Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

Grundlegung der Christlichen Sozialwissenschaften (2): Die Familie als Lebenszelle der Gesellschaft; Die Bedeutung der menschlichen Arbeit                                                                                                   Ehe und Familie sind die Lebenszelle der Gesellschaft. Während aufgrund der demographischen Schieflage der Ruf nach einer Stärkung der Familie nicht nur von der Kirche, sondern auch vom Staat deutlich zu vernehmen ist, wird die Ehe staatlicherseits zunehmend als Privatangelegenheit angesehen und damit im öffentlichen Bewusstsein de facto marginalisiert. Die katholische Kirche hat dagegen stets betont, dass das Fundament der Familie die Ehe ist. Die Ehe ist nach katholischem Verständnis jedoch kein „weltlich Ding“, eine in vielerlei Hinsicht mehr oder weniger praktische Einrichtung, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern. Die Ehe ist ein Sakrament, eine Verbindung, die vor Gottes Angesicht und mit Gott geschlossen wird. Er schenkt die Gnade und Kraft, dass einmal gesprochene Ja-Wort ein Leben lang durchzuhalten.    Bereits im Alten Testament ist der Mensch aufgerufen, die Erde zu bebauen und zu hüten (Gen 2,15). Die Arbeit gehörte aber schon vor dem Sündenfall zur Situation des Menschen und ist deshalb weder Strafe noch Fluch. Im Gleichnis von den Talenten wird im Neuen Testament ebenfalls der Auftrag zur Arbeit deutlich angesprochen. Der Apostel Paulus formuliert es noch schärfer: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“ (2 Thess 3,10). Diese grundsätzliche positive Sichtweise der menschlichen Arbeit ist vor den historischen Gegebenheiten zu erforschen. Für die Gegenwart stellt sich die Frage nach dem Stellenwert der Arbeit, wenn diese zunehmend als knappes Gut gehandelt wird. Was ist von dem Vorschlag mancher Verbände zu halten, welche unsere Gesellschaft von einer Erwerbsarbeitsgesellschaft zu einer Tätigkeitsgesellschaft verändern wollen?

Spezielle Christliche Sozialwissenschaften (1): Wirtschaftsethik    In seiner allgemeinen Form kann unter Wirtschaftsethik jede normative Disziplin verstanden werden, die sich mit dem sittlich richtigen Handeln der Menschen in der Wirtschaft beschäftigt. Wirtschaftsethik wird einerseits in die Individualethik unterteilt, der es um die persönliche Verwirklichung von sittlichen Werten und Tugenden wie beispielsweise Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit geht. Im Unterschied hierzu untersucht andererseits die Sozialethik den Makro-Aspekt der Ethik. Sie fragt danach, wie gesellschaftliche Koordination durch Ethik geleitet werden kann und geht auf den Normenbegründungs- und Erziehungsprozess in der Reflexion ethischer Diskurse ein. Bezogen auf die Wirtschaftsethik ist hierbei zu beachten, dass sich aus der Sozialethik zwar keine überzeitlich gültigen Aussagen zugunsten einer bestimmten Organisationsform der Wirtschaft ableiten lassen, jedoch bestimmte gesellschaftliche Leitsätze vorgetragen werden können, die zu Ordnungsgeboten werden. (3,5 SWS)

Literatur:                                                                                                             Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden (Hg.): Kompendium der Soziallehre der Kirche, Freiburg/Br. 2006 (Erstausgabe in italienischer Sprache, Vaticana 2004).                                             Päpstlicher Rat für die Familie (Hg.): Lexikon Familie, Mehrdeutige und umstrittene Begriffe zu Familie, Leben und ethischen Fragen, Paderborn 2007.                                                                                                        Johannes Paul II., Enzyklika „Laborem exercens“ über die menschliche Arbeit zum neunzigsten Jahrestag der Enzyklika „Rerum novarum“ (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 32), Bonn 1981.                                                                                           GOLDSCHMIDT, Nils, Der Streit um das Soziale in der Marktwirtschaft (= Kirche und Gesellschaft, Nr. 344), Köln 2007.      HARDES, Heinz-Dieter, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, München 9. Auflage 2007.                                                                             HEMEL, Ulrich, Wert und Werte. Ethik für Manager. Ein Leitfaden für die Praxis, München 2005.                                                                 KERSTEN, Manfred, Ehe und Familie im Wandel der Geschichte. Wie sich die Institutionen Ehe und Familie in den Jahrhunderten verändert haben, Heimbach/ Eifel 2012.                                                KLUXEN, Wolfgang, Perspektiven der Wirtschaftsethik, Opladen 1998.                                                                                                                       OCKENFELS, Wolfgang, 10 Gebote für die Wirtschaft, Köln 2006.  SPIEGEL, Peter, Muhammad Yunus – Banker der Armen. Der Friedensnobelpreisträger. Sein Leben. Seine Vision. Seine Wirkung, Freiburg/Br. 2006.                                                                                                      UTZ, Arthur Fridolin, Sozialethik IV. Teil: Wirtschaftsethik, Bonn 1994.

 


Systematische Philosophie – Dozent: PD Dr. phil. habil. Gereon Piller

Erkenntnislehre                                                                                        Erkenntnislehre als Teildisziplin der systematischen Philosophie befasst sich mit Möglichkeit, Geltung und Reichweite der menschlichen Erkenntnis. Grundfragen der Erkenntnislehre spielen auch eine wichtige Rolle in der Wissenschaftstheorie – wobei sprachtheoretische und metho­dologische Fragen sowie Grundelemente der formalen Logik mit einfließen. So betrachtet gehören erkenntnistheoretische Erwägungen seit jeher zur Selbstbegründung der Philosophie und des wissenschaftlichen Forschens. In dieser Stellung hat die Erkenntnislehre im Rahmen philosophisch-theologischer Propädeutik traditionell die Aufgabe einer Einleitungswissenschaft. (1 SWS)

 Literatur:                                                                                                                        Janich, P., Was ist Erkenntnis? Eine philosophische Einführung. München 2000 (Beck’sche Reihe; 1376).

 


Kirchengeschichte – Dozent: Prof. Dr. Wolfgang Vogl

Kirchengeschichte des Mittelalters – Vom Frühmittelalter bis zum Vorabend der Reformation                                                                                    Am Beginn des Frühmittelalters stehen nach der Völkerwanderung und dem Untergang des weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert die Christianisierung der germanischen Völker und das Bündnis des Papsttums mit den Franken im 8. Jahrhundert, das mit dem Großreich Karls des Großen um 800 den Höhepunkt erreichte. Im 9. und 10. Jahrhundert kam es zu einem Niedergang des kirchlichen Lebens, der aber noch im 10. und im 11. Jahrhundert durch monastische Reformbewegungen aufgefangen werden konnte. Schließlich mündete die kirchliche Erneuerung in das Zeitalter der Gregorianischen Reform, die von 1050 bis 1150 die westliche Kirche entscheidend prägte und veränderte, so dass das Papsttum im Hochmittelalter des frühen 13. Jahrhunderts den Gipfelpunkt seiner innerkirchlichen und politischen Machtstellung erreichen konnte. Mit dem Niedergang des Stauferreiches ab der Mitte des 13. Jahrhunderts gerieten die Päpste trotz ihres noch gesteigerten Kurialismus in die Abhängigkeit der französischen Könige und residierten von 1309 bis 1377 in Avignon. Durch die Auseinandersetzung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, die reformerisch und teilweise häretisch vorgetragene Kritik an der Kirchenverfassung, das Große Abendländische Schisma von 1377 bis 1417 und die Bewegung des Konziliarismus im frühen 15. Jahrhundert verlor das Papsttum weiter an religiösem und politischem Gewicht. Während die Kirche durch das Aufkommen der Bettelorden im 13. Jahrhundert und durch die mystische Bewegung des 14. Jahrhunderts große religiöse Aufbrüche verzeichnen konnte, kam es zu der immer notwendiger empfundenen Reform der Kirchenverfassung im Spätmittelalter nicht mehr, so dass die Krise der Kirche in der Reformation des 16. Jahrhunderts mit revolutionärer Wucht zutage treten sollte.              (2 SWS)

Literatur:                                                                                                                   FRANZEN, August, Kleine Kirchengeschichte, Freiburg i. Br. 1965. FRANK, Isnard Wilhelm, Kirchengeschichte des Mittelalters (= Leitfaden Theologie), Düsseldorf 1984.                                                     JEDIN, Hubert (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Bände II/2 und III, Freiburg i. Br. 1966-1975.                                                                PIETRI, Luce (Hg.), Die Geschichte des Christentums. Religion, Politik, Kultur, Bände 3–6, Freiburg i. Br. u. a. 1994–2001.            HEIM, Manfred (Hg.), Kleines Lexikon der Kirchengeschichte, München 1998.                                                                                               SCHWAIGER, Georg und Heim, Manfred, Kleines Lexikon der Päpste, München 2006.

 

NT-Einleitung – Dozent: Prof. Dr. Adrian Wypadlo

 Das Johannesevangelium und die Schriften der johanneischen Schule                                                                                                                            Thema der Einleitungsvorlesung im Sommersemester 2018 ist zunächst das Evangelium des Johannes. Doch wer war dieser Evangelist? An Versuchen, ihn zu identifizieren mangelt es wahrlich nicht: Man sah in ihm den Zebedäussohn Johannes, den Lieblingsjünger, den anonymen Repräsentanten der johanneischen Gemeinde. Die Einschätzung von Ernst Käsemann aus den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist weiterhin aktuell: „Das Evangelium ist im ganzen historisch immer noch ein Rätsel, und alle Erhellung des Details hat daran kaum etwas geändert“. Doch so sehr dieses Evangelium ein Rätsel bleibt, so sehr fasziniert es den Leser seit den Tagen der Alten Kirche. Nicht wenige sehen in „Johannes“ den ersten großen Mystiker der Kirche, der es verstanden hat, seinen persönlichen Christusglauben in sein Werk einzutragen.                                                                                                                Neben dem Johannesevangelium, auf dem der Schwerpunkt der Vorlesung liegen wird, sind auch die übrigen Schriften der „johanneischen Schule“ zu bedenken – der 1. Johannesbrief – sowie die einer ganz anderen Textgattung zugehörige Offenbarung des Johannes. (2 SWS)

Literaturauswahl:                                                                                               BECKER, Jürgen, Johanneisches Christentum. Seine Geschichte und Theologie im Überblick. Tübingen 2004.                                                     ERNST, Josef, Johannes. Ein theologisches Portrait. Düsseldorf 1991.                                                                                                                             EBNER, Martin und SCHREIBER, Stefan (Hrsg.), Einleitung in das Neue Testament. Stuttgart 2008: 208-228; 530-551; 559-585. NIEBUHR, Karl-Wilhelm (Hrsg.), Grundinformation Neues Testament. Eine bibelkundlich-theologische Einführung. UTB 2108. Göttingen 2000: 143-172; 315-326; 346-370.                         PILHOFER, Peter, Die johaneische Literatur (Kap. XI). In: Ders.: Das Neue Testament und seine Umwelt. Tübingen 2010.             SCHNELLE, Udo, Einleitung in das Neue Testament. 6. neubearb. Aufl. UTB 1830. Göttingen 2007, 471-544.                              THEOBALD, Michael, Das Evangelium nach Johannes I. Regensburger Neues Testament. Regensburg 2009. Einleitungskapitel: 13-98.                                                                                   FREY, Jörg: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“: Jesus als Bild Gottes im Johannesevangelium. In: A. Taschl-Erber; I. Fischer (Hrsg.), Vermittelte Gegenwart. Konzeptionen der Gottespräsenz von der Zeit des Zweiten Tempels bis Anfang des 2.  Jahrhunderts n. Chr. WUNT 367. Tübingen 2016, 179-208.

Vorlesungen Wintersemester 2017/18 ( Beginn: 16. Oktober 2017)

 Fundamentaltheologie – Dozent: Prof. Dr. Christoph Binninger

Offenbarung I – Die Atheismusdebatte und die Frage nach der natürlichen Gotteserkenntnis

Die Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ (19-21) verweist auf die große und ernste Herausforderung der Kirche durch den Atheismus. Die Vorlesung untersucht in einem ersten Schritt die atheistischen Grundpositionen der Vergangenheit und Gegenwart. In einem zweiten Schritt befasst sie sich mit den Chancen aber auch Grenzen der sog. „Gottesbeweise“ sowie mit der Frage der natürlichen Gotteserkenntnis. (2 SWS)

Literatur:
BÖTTIGHEIMER C., Lehrbuch der Fundamentaltheologie. Die Rationalität der Gottes-, Offenbarungs- und Kirchenfrage., Freiburg/ Br. 2009.
FRIES H., Fundamentaltheologie, Graz 21985.
KERN W. / POTTMEYER, H. / SECKLER, M. (Hrsg.), Handbuch der Fundamentaltheologie, Bd. 1, Freiburg/ Br.  ²2000.


Philosophiegeschichte – Dozent: Prof. Dr. Sigmund Bonk

 Antike
In der Antike, genauer im alten Hellas und Rom, findet man nicht nur faszinierende Anfänge, sondern auch Höhepunkte des Philosophierens, so v. a. bei Platon, Aristoteles und Cicero. Ohne eine Kenntnis dieser frühen Meister und Weichensteller bliebe das Philosophieren bis heute laienhaft und dilettantisch. (2 SWS)

Literatur:
HIRSCHBERGER, J., Geschichte der Philosophie. Bd. I: Altertum und Mittelalter. Bd. II: Neuzeit und Gegenwart. Köln 2000.


Philosophiegeschichte (Seminar) – Dozent: Prof. Dr. Sigmund Bonk

Platonische Meisterdialoge
Der Philosoph Alfred N. Whitehead schrieb einmal: „Die ganze Philosophiegeschichte besteht aus Fußnoten zu Platon.“ Das ist ein wenig übertrieben, aber im Großen und Ganzen durchaus zutreffend. Es ließe sich sogar noch ergänzen: „und die halbe Theologiegeschichte nicht minder.“  Wir werden einige der großen Dialoge zusammen lesen, zu verstehen suchen – und auch gründlich diskutieren. Zudem wird jeder Seminarteilnehmer ein Referat übernehmen. (2 SWS)

Literatur:
Literatur wird in der ersten Vorlesungsstunde bekanntgegeben.


AT-Einleitung – Dozent: Prof. Dr. Oliver Dyma

Einleitung in das Alte Testament I: Zeitgeschichte
Die Texte des Alten Testaments sind im Verlauf mehrerer Jahrhunderte entstanden und tragen „Spuren ganz verschiedener historischer Situationen“. Die Texte setzen sich mit der Geschichte des Volkes Israel und den Krisenzeiten auseinander, beziehen Stellung zu theologischen Problemen und prangern soziale Missstände an. Sie nehmen Traditionen auf, die sie in ihrer Umgebung kennenlernen und entwickeln eigenständige Theologie. Ohne die Kenntnis der historischen Gegebenheiten können wir die Texte nur unzureichend verstehen. Im Zentrum des ersten Abschnittes der Einleitung ins Alte Testament steht daher die Zeitgeschichte des Volkes Israel im Zentrum, von der vorköniglichen Zeit über das Exil bis zu Makkabäerzeit. Ein Fokus liegt dabei auch auf der Religionsgeschichte Israels, die etwas bunter ist, als uns die Bibel berichtet. (3 SWS)

Literatur:
FREVEL C., Geschichte Israels, Studienbücher Theologie 2, Stuttgart 2016.
GRABBE L. L., Ancient Israel. What Do We Know and How Do We Know It?, London, 2. Aufl. 2017.
SCHMITZ B., Geschichte Israels, UTB 3547, Paderborn, 2. Aufl. 2015.
MILLER J. M. – HAYES J. H., A History of Ancient Israel and Judah, Louisville, 2. Aufl. 2006.
ZENGER E. u.a., Einleitung in das Alte Testament, Studienbücher Theologie 1,1, hg. C. Frevel, Stuttgart, 9. Aufl. 2015.
GERTZ J. C. (Hg.), Grundinformation Altes Testament, utb 2745, Göttingen, 5. Aufl. 2016.
SCHMITT H.-C., Arbeitsbuch zum Alten Testament. Grundzüge der Geschichte Israels und der alttestamentlichen Schriften, utb 2146, Göttingen, 3. Aufl. 2011.
KOEHLMOOS M., Altes Testament, utb basics 3460, Tübingen – Basel 2011.


Systematische Philosophie – Dozent: PD Dr. phil. habil. Gereon Piller

Philosophische Anthropologie – Grundfragen
Nach den großen Entwürfen philosophischer Anthropologie in der 1. Hälfte des 20. Jhdts. (Scheler, Plessner, Gehlen) ist es stiller geworden um die „Lehre vom Menschen“ als eigene Disziplin der Philosophie. Andererseits gab es seit jeher m.o.w. „philosophische“ Stellungnahmen zum Menschenbild, und kein geringerer als Immanuel Kant sah gar alle großen Fragen der Philosophie in die Frage nach dem Menschen einmünden. Tatsächlich ist sie auf der Folie gegenwärtiger Problemstellungen, etwa in der Ethik, von besonderer Aktualität, weil seit jeher eng verflochten mit theoretischer und praktischer Grundorientierung, auch auf der Ebene weltanschaulicher Trends. – Die Veranstaltung sucht anhand ausgewählter Autoren, sodann einmündend in eine systematische Reflexion bes. für die gegenwärtige Diskussion wichtige Grundaspekte der Anthropologie vorstellig zu machen. Damit hat sie insges. propädeutisch einführenden Charakter. (2 SWS )

Literatur:
ARLT, G., Philosophische Anthropologie, Stuttgart 2001.


Kirchengeschichte – Dozent: Prof. Dr. Wolfgang Vogl

Kirchengeschichte des Altertums: Von der Urgemeinde bis zur frühchristlichen Reichskirche
Mit der Sendung Jesu Christi beginnt auch die Geschichte der Kirche. Gleich nach Jesu Tod und Auferstehung organisiert sich die Jerusalemer Urgemeinde. Die ersten Christen richten ihre Botschaft nicht nur an das alttestamentliche Bundesvolk, sondern auch an die Heiden. Mit ihrer zunehmenden Ausbreitung in der griechisch-römischen Welt muss sich die Kirche mit den kulturellen und religiösen Strömungen ihres Umfeldes auseinandersetzen, sich im Inneren gegenüber Häresien bewähren und auch äußeren Bedrohungen standhalten. Gleichzeitig vermag die junge Kirche in den ersten drei Jahrhunderten immer mehr ihr Proprium in den Bereichen Glaube, Liturgie, Spiritualität und Verfassung zu entfalten. Nach der Wende durch Kaiser Konstantin wird der christliche Glaube noch am Ende des 4. Jahrhunderts unter Theodosius zur alleinberechtigten Staatsreligion. Im Mittelpunkt der Reichskirche stehen nun die Konzilien mit ihren dogmatischen Klärungen, die Mission über die Reichsgrenzen hinaus, das aufstrebende Mönchtum und das theologisch-literarische Schaffen der Kirchenväter. (3 SWS)

Literatur:
FRANZEN A., Kleine Kirchengeschichte, Freiburg i. Br. 1965.
BAUS K., Von der Urgemeinde zur frühchristlichen Großkirche (= Jedin, Hubert (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Band I), Freiburg i. Br. 1962.
BAUS K., und EWIG E., Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen (= Jedin, Hubert, Handbuch der Kirchengeschichte, Band II/1), Freiburg i. Br. 1973.
HEIM M. (Hg.), Kleines Lexikon der Kirchengeschichte, München 1998.
SCHWAIGER G. und HEIM M., Kleines Lexikon der Päpste, München 2006.
SCHATZ K., Allgemeine Konzilien – Brennpunkte der Kirchengeschichte (= Uni-Taschenbücher 1976), Paderborn u. a. 1997.


NT-Einleitung – Dozent: Prof. Dr. Adrian Wypadlo

Paulus: Christenverfolger – Konvertit – Völkerapostel
Eine Einführung in das Leben und Werk des Hl. Apostels Paulus
An Paulus schieden sich schon immer die Geister. Das ist nicht weiter überraschend, denn wir haben es bei ihm mit einem Menschen zu tun, dessen Lebensgeschichte von tiefgreifenden Spannungen und Brüchen geprägt war. Sein Weg begann als Pharisäer, der es mit dem jüdischen Gesetz sehr genau nahm und darüber zum Christenverfolger wurde, und er führte ihn dann zur Verkündigung einer Botschaft, die von der Überzeugung getragen war, dass es bei Gott nicht auf die Erfüllung des Gesetzes ankommt, sondern auf den Glaubens an Jesus Christus. Mit seinen Briefen beeinflusste er wie kein Zweiter die Entwicklung von Theologie und Kirche. Die Zielsetzung der Einleitungsvorlesung im WS 2017/2018, von der ich freimütig bekennen darf, dass es mein „Lieblingsstoff“ ist, wird sein, mit der Biographie, dem Schrifttum und der Bedeutung dieses großen Mannes der frühen Kirche vertraut zu machen. Die gründliche Beschäftigung mit Paulus gehört seit altersher zu den zentralen Themen des Theologiestudiums, denn Paulus hat es geschafft, die schlichte Botschaft des Jesus von Nazareth vom „nahegekommenen Reich Gottes“, in eine großartige Theologie zu transferieren. Somit ist Paulus der Beginn des christlichen „Theologisierens“. (2 SWS)

Literaturauswahl:
BROER I., WEIDEMANN H.-U., Einleitung in das Neue Testament. 4. Auflage. Würzburg 2016.
BECKER J., Paulus: Der Apostel der Völker. Tübingen 1989.
WISCHMEYER O. (Hrsg.), Paulus: Leben – Umwelt – Werk – Briefe. UTB 2767. Tübingen u.a. 2006.
NIEBUHR K.-W. (Hrsg.), Grundinformation Neues Testament. Eine bibelkundlich-theologische Einführung. UTB 2108. Göttingen 2000.
EBNER M., SCHREIBER S. (Hrsg.), Einleitung in das Neue Testament. Stuttgart 22012.
SCHNELLE U., Einleitung in das Neue Testament. 6. neubearb. Aufl. UTB 1830. Göttingen 2007.
HORN F.-W. (Hrsg.), Paulus Handbuch. Tübingen 2013.
WOLTER M., Paulus. Ein Grundriss seiner Theologie. Neukirchen-Vluyn 2011.


VORLESUNGEN SOMMERSEMESTER 2017

Vorlesungen im I. Studienabschnitt

Vorlesungszeit: 24. April -21. Juli 2017 (Pfingsferien 3.-6. Juni’17

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Fundamentaltheologie

Dozent: Prof. Dr. Christoph Binninger

Tradition – Lehramt

„Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft.“ (DV 10) Die Vorlesung beschäftigt sich zunächst mit der Frage nach der Tradition und ihrer Relation zur Hl. Schrift. Im II. Teil widmet sie sich dem Wesen und dem Vollzug des kirchlichen Lehramts. (3 SWS)

Literatur:

LG, DV.

KERN W., POTTMEIER H. (Hrsg.), Handbuch der Fundamentaltheologie, Bd. 4, Freiburg/Br. 1988.

FRIES H., Fundamentaltheologie, Wien 21985.

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Philosophiegeschichte

Dozent: Prof. Dr. Sigmund Bonk

Von Kant bis in die Gegenwart

Die Geschichte der Philosophie von Kant bis heute ist womöglich noch vielgestaltiger und facettenreicher als die aller voraus liegenden Epochen. Allerdings sind einige Hauptströmungen festzustellen: Die Fortsetzung der auf den Grundlagen vor allem Plantons und Aristoteles aufbauenden „Philosophia perennis“ (einschließlich des „Deutschen Idealismus“ und dessen Rechtsnachfolgern); der Naturalismus und Positivismus als eng miteinander verwandte Versuche, die Philosophie als eine Art „ancilla scientiae“ neu zu begründen; das Unterfangen, verschiedene „Philosophien“ in der sog. Krise der Religionen als rationale Weltanschauungen zu etablieren; die Bemühung um eine „Philosophie der Tat“, angefangen beim Marxismus bis hin zum amerikanischen Pragmatismus und – im Anschluss an die Aufklärung – das Konzept einer Philosophie als „Ideologiekritik“. Kant spielt bei all diesen Strömungen zumindest eine hintergründige Rolle, weswegen wir sein Denken etwas genauer und differenzierter in den Blick nehmen wollen. (3 SWS)

Literatur:
HIRSCHBERGER J., Geschichte der Philosophie in zwei Bänden, Bd. II, Köln 2000.

 

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Systematische Philosophie

Dozent: PD Dr. phil. habil. Gereon Piller

Metaphysik

Gegenstand der Vorlesung ist die Metaphysik im engeren Sinne (metaphysica specialis). Sie behandelt im Anschluss an die allgemeine Metaphysik (Ontologie) traditionell neben rationaler Kosmologie und Psychologie insbesondere die philosophische Gotteslehre (die sog. „natürliche Theologie“). Im Rahmen philosophisch-theologischer Propädeutik steht primär die Letztere im Zentrum und soll historisch wie systematisch in Schwerpunkten erarbeitet werden.

 

(1 SWS)

 

Literatur:

Stichworte „Metaphysik“ und „Gotteslehre“ in einem der einschlägigen Fachlexika (z.B. Historisches WB der Philosophie).

 

 

 

 

Christliche Sozialwissenschaften

Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

 

Politische Ethik

Das Verhältnis von Politik und Moral ist ein ständiges und unerschöpfliches Thema. Auch wer sich für Politik wenig interessiert, spürt doch gleichsam instinktiv, dass es einen Handlungsbereich gibt, in welchem Menschen, die in besonderer Weise Macht haben, über uns entscheiden. Der Verdacht und die Befürchtung, „die da oben“ missbrauchten ihre Macht zu ihrem Vorteil und zu unserem Schaden, sind latent vorhanden und finden auch aktuell leicht Nahrung. Es gibt nicht wenige Menschen, die ihre Verachtung für das „schmutzige Geschäft“ der Politik ausdrücklich moralisch begründen. Von Seiten der Christlichen Sozialwissenschaften stellt sich die grundsätzliche Frage, inwieweit die katholische Kirche einen Pluralisierungsprozess in der Gesellschaft mitgehen und -tragen kann, bzw. in welchem grundsätzlichen Verhältnis sie zur Demokratie als Staatsform steht. An welchen Stellen und in welcher Form sind Kooperationen zwischen Kirche und Staat zu begrüßen und wo bzw. wann sind diese abzulehnen?

 

(3 SWS)

 

Literatur:

Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden (Hg.): Kompendium der Soziallehre der Kirche, Freiburg/Br. 2006 (Erstausgabe in italienischer Sprache, Vaticana 2004).

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz/ Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hg.): Demokratie braucht Tugenden (= Gemeinsame Texte, Nr. 19), Bonn/Hannover 2006.

RAUSCHER A. (Hg.): Handbuch der Katholischen Soziallehre, Berlin 2008.

FISCHER P., Politische Ethik, Paderborn 2006.

JESSE E., Die Parteiendemokratie in der Krise (= Kirche und Gesellschaft, Nr. 351), Köln 2008.

JÜSTEN K., Ethik und Ethos der Demokratie, Paderborn 1999.

RAUSCHER A., Christlicher Glaube und politische Ethik (= Kirche und Gesellschaft, Nr. 288), Köln 2002.

SUTOR B., Katholische Soziallehre als politische Ethik. Leistungen und Defizite, Paderborn 2013.

SCHOCKENHOFF E., Zur Lüge verdammt? Politik, Medien, Medizin, Justiz, Wissenschaft und die Ethik der Wahrheit, Freiburg/Br. 2000.

 

 

 

 

Christliche Sozialwissenschaften

– Seminar –

Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

 

Die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“ des II. Vatikanischen Konzils

Der Beginn II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) liegt über fünfzig Jahre zurück. Am 11. Oktober 1962 eröffnete Papst Johannes XXIII. die bislang größte Kirchenversammlung. Als eines der letzten Dokumente des Konzils wurde vor fünfzig Jahren (Ende 1965) die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“ verabschiedet. In diesem Text hat sich die katholische Kirche in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß mit der „Welt“ beschäftigt. Mehr als jedes andere Konzilsdokument haben diese Texte ihren Ursprung im Konzil selbst. In einem Maß, wie dies höchstens noch bei der Erklärung über die Religionsfreiheit der Fall ist, hat sich dieser Konzilstext von den vorbereiteten Entwürfen gelöst. Die Kapitel und deren einzelne Texte sind mit verschieden großer Kompetenz erarbeitet worden. Besonders der verstorbene Papst, Johannes Paul II., hat zentrale Texte (z.B. über die Würde der menschlichen Person) maßgeblich mitgestaltet.

Das Seminar befasst sich eingehend mit den Texten der Pastoralkonstitution, geht auf die Entstehungsgeschichte ein und schildert deren teilweise bis heute andauernden kontroversen Diskussionen. In kaum einem anderen Dokument wird der „Geist des Konzils“ unterschiedlicher ausgelegt. Worin liegen die Stärken in diesem Dokument, worin die Schwächen?

 

(2 SWS)

 

Literatur:

Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute (lateinisch/deutsch), in: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 14, Freiburg/Br. 2. Auflage 1968, S. 280-592.

RAHNER K., VORGRIMLER H. (Hg.), Kleines Konzilskompendium. Sämtliche Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, Freiburg/Br. 35. Auflage 2008.

Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden (Hg.): Kompendium der Soziallehre der Kirche, Freiburg/Br. 2006 (Erstausgabe in italienischer Sprache, Vaticana 2004).

BARAÚNA G. (Hg.), Die Kirche in der Welt von heute. Untersuchungen und Kommentare zur Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ des II. Vatikanischen Konzils, Salzburg 1967.

TUECK J.-H. (Hg.), Erinnerung an die Zukunft. Das Zweite Vatikanische Konzil, Freiburg/ Br. 2012.

 

 

 

 

Kirchengeschichte
Dozent: Prof. Dr. Wolfgang Vogl

 

Kirchengeschichte der Neuzeit:

Von der Französischen Revolution bis zum Zweiten Vatikanum

Die Kirche ist seit der Französischen Revolution von 1789 mit den Herausforderungen des modernen Zeitalters konfrontiert, das geprägt ist durch Aufklärung, Revolutionen, Liberalismus und den Fortschritt in Technik und Wissenschaft. Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zerbrach in Europa die bisherige konfessionell geprägte Einheit von Kirche, Staat und Gesellschaft. In vielfältiger Weise versuchte die Kirche des 19. Jahrhunderts in Kirchenpolitik, Seelsorge, Kirchenorganisation, Theologie und Spiritualität auf diese epochale Wende zu reagieren. Bis zum Ersten Vatikanum 1869/70 antwortete die Kirche auf die Herausforderungen der Moderne in eher defensiver, antiliberaler und ultramontaner Weise, konnte dabei aber ihre Identität wahren und vertiefen. Im Streben nach Freiheit gegenüber staatskirchlicher Bevormundung wurde die Kirche im Laufe des 19. Jahrhunderts zur übernationalen Weltkirche. In der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Vatikanum wurde die defensive Haltung der Kirche gegenüber der Moderne immer mehr aufgebrochen, was sich auch in inneren Richtungskämpfen manifestierte, wie besonders die Modernismuskrise zeigt. Nach der Konfrontation mit den Totalitarismen des Faschismus und Kommunismus bemühte sich die Kirche auf dem Zweiten Vatikanum 1962–1965 um größere Katholizität und Universalität, um Inkulturation, um die Wiedergewinnung der ganzen Tradition der kirchlichen Überlieferung, um die Relativierung zeitbedingter Festlegungen und um die lange aufgeschobene positive Auseinandersetzung mit der von der Aufklärung geprägten Ideen der modernen Welt.

 

(3 SWS)

 

Literatur:

FRANZEN A., Kleine Kirchengeschichte, Freiburg i. Br. 1965.

SCHATZ K., Kirchengeschichte der Neuzeit (= Leitfaden Theologie), Düsseldorf 2003.

AUBERT R., u.a., Die Kirche zwischen Revolution und Restauration (= Jedin, Hubert (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Band VI/1), Freiburg i. Br. 1971).

AUBERT R., u.a., Die Kirche zwischen Anpassung und Widerstand 1878 bis 1914 (= Jedin, Hubert (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Band VI/2), Freiburg i. Br. 1973).

ADRIANYI G., u.a., Die Weltkirche im 20. Jahrhundert (= Jedin, Hubert (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Band VII), Freiburg i. Br. 1979).

HEIM M., Kirchengeschichte in Daten (Beck’sche Reihe 1704), München 2006.

EDER M., Kirchengeschichte. 2000 Jahre im Überblick, Düsseldorf 2008.

HEIM M., Einführung in die Kirchengeschichte, (C.H. Beck Studium), München 2008.

HEIM M. (Hg.), Kleines Lexikon der Kirchengeschichte, München 1998.

SCHWAIGER G. und HEIM M., Kleines Lexikon der Päpste, München 2006.

 

 

 

NT-Einleitung
Dozent: Prof. Dr. Adrian Wypadlo

 

Jesus von Nazareth – aus historischer Sicht:

Im Laufe eines Theologiestudiums begegnen dem Studierenden verschiedene Personen der Kirchen- und Weltgeschichte: Von Heraklit bis Pseudo-Dionysios Areopagita, von Pelagius bis Hegel. Doch nur selten wird die Person Jesu von Nazareth in historischer Sicht thematisiert. Das verwundert angesichts der Tatsache, dass das Interesse an dieser faszinierenden Person der Antike diesseits und jenseits der verfassten Kirchen kontinuierlich groß ist. Dies macht die kaum mehr überblickbare Menge produzierter „Jesus-Bücher“ unmissverständlich deutlich. Dem angesprochenen Missstand möchte die Vorlesung im kommenden Sommersemester ein wenig abhelfen. Dabei geht es vor allem darum, den Stand der wissenschaftlichen Forschung darzustellen. Was können wir heute vom historischen Jesus wissen? Dabei kann es nicht mehr – wie in Zeiten der alten Leben-Jesu-Forschung – darum gehen, eine Biographie Jesu zu schreiben. Dies ist unmöglich! Gleichwohl ist es möglich, die Konturen dieser tief im jüdischen Glauben verwurzelten Persönlichkeit samt seiner theologischen Botschaft zu rekonstruieren. So kann die historische Beschäftigung mit Jesus von Nazareth als Hinführung zu dem dienen, der uns Christen als die maßgebende Person schlechthin gilt.

 

(1 SWS)

 

Literatur:

GNILKA J., Jesus von Nazaret. Botschaft und Geschichte. Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Suppl.-Bd. 3. Freiburg i. Br. u.a. 1991.

THEIßEN G., Der Schatten des Galiläers. Historische Jesusforschung in erzählender Form. Gütersloh 1993.

THEIßEN G., MERZ A., Der historische Jesus. Ein Lehrbuch. Göttingen 1997.