Vorlesungsverzeichnis Studienabschnitt II frühere Semester

Vorlesungen Wintersemester 2017/18
 Beginn: 16. Oktober 2017

 Dogmatik – Dozent: Prof. Dr. Christoph Binninger

 Sakramentenlehre:
Um das Werk des Heils zu verwirklichen, ‚ist Christus seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen… Mit Recht gilt also die Liturgie als Vollzug des Priesteramts Christi; durch sinnenfällige Zeichen wird in ihr die Heiligung des Menschen bezeichnet und in je eigener Weise bewirkt…‘ (SC 7) Die Sakramente Christi vermitteln somit den Menschen das Heil: die Gemeinschaft mit Gott und allen Erlösten.
Die Vorlesung widmet sich in einem ersten Teil der allgemeinen Sakramentenlehre und in einem zweiten Teil stellt sie die sieben Sakramente in ihrer Heilsbedeutung (spezielle Sakramentenlehre) dar. (4 SWS)

Literatur:
HDG IV 1a und HDG IV 1b
KASPER, W., Zur Theologie der christlichen Ehe, Mainz 1976.
MUßNER, F., Der Jakobusbrief, Freiburg/Br. 19752.
RATZINGER, J., Opfer, Sakrament und Priestertum in der Entwicklung der Kirche, in: Catholica 26 (1972) 108-125.
KKD VII.
MÜLLER, G.L., Katholische Dogmatik, Freiburg/Br. 19983, 628-768.


Liturgiewissenschaft – Dozent: Dr. Sven Boenneke

 Liturgik III: Geschichte, Theologien und Vollzug der Feier der Eucharistie
Das dritte Semester der Liturgievorlesung behandelt die hl. Messe. Im Sinne vergleichender Liturgiewissenschaft werden zunächst Typen urkirchlicher Eucharistien, Strukturen altkirchlicher und aktueller Hochgebete sowie Akzentuierungen der Einsetzungsworte unterschiedlicher Riten erarbeitet. Dadurch werden theologische Grunddaten der Eucharistiefeier aus deren klassischen Vollzügen erschlossen, um „die Riten und Gebete dieses Mysteriums wohl zu verstehen“ (SC 48). Dies wird dann anhand der einzelnen Struktureinheiten der römischen Messe jeweils hinsichtlich ihres Bestandes, ihrer historischen Entwicklung und ihrer Bedeutung für einen adäquaten Vollzug konkretisiert. So will die Vorlesung mit hinführen zur Eucharistie als einem „Geheimnis, an das man glaubt, … das man feiert, … das man lebt“ (Papst Benedikt XVI.). (2 SWS)

 Literatur:
BENEDIKT XVI., Sacramentum Caritatis, VAS 177, Bonn 2007.
BRADSHAW P. F., The Search for the Origins of Christian Worship. Sources and Methods for the Study of Early Liturgy, London 20022.
BUGNINI A., Die Liturgiereform. 1948-1975. Zeugnis und Testament, Freiburg i. Br. 1988.
JOHANNES PAUL II, Ecclesia de Eucharistia, VAS 159, Bonn 220032.
JUNGMANN A., Messe im Gottesvolk. Ein nachkonziliarer Durchblick durch Missarum Sollemnia, Freiburg i. Br. 1970.
JUNGMANN A., Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe (2 Bde.), Wien 19492.
PLÖGER J. G. (Hg.), Gott feiern. Theologische Anregung und geistliche Vertiefung zur Feier von Messe und Stundengebet (FS Th. Schnitzler), Freiburg i. Br. 1980.


Moraltheologie – Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

Ehe und Familie nach dem heiligen Papst Johannes Paul II. (1978-2005)
Karol Wojtyla/ Johannes Paul II. hat sich über Jahrzehnte mit moraltheologischen Themen im Allgemeinen und mit Ehe und Familie im Besonderen befasst. In der Vorlesung wird der Lebensweg dieses Papstes, der die Kirche über ein Vierteljahrhundert leitete, nachgezeichnet und sein wissenschaftliches Werk umrissen. Zahlreiche seiner Schriften befassen sich mit dem Begriff der Person sowie Ehe und Familie. Sein theologisches Denken hat in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Maßstäbe gesetzt, deren positives Fortwirken bis heute erkennbar ist. (1 SWS)

Literatur:
JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben „Familiaris consortio“ über die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute (= Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 33) Bonn 1981.
PAUL VI., Enzyklika „Humanae vitae“ über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens (lateinisch – deutsch), Trier 1979 (das Dokument ist 1968 erschienen).
KATECHISMUS DER KATHOLISCHEN KIRCHE, München 1993, S. 590-605 (Artikel 6: Das sechste Gebot).
PÄPSTLICHER RAT FÜR DIE FAMILIE (Hg.), Lexikon Familie. Mehrdeutige und umstrittene Begriffe zu Familie, Leben und ethischen Fragen (redaktionelle Bearbeitung der deutschen Ausgabe von Hans Reis), Paderborn 2007.
SEKRETARIAT DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ (Hg.), Ehe und Familie – in guter Gesellschaft (= Die deutschen Bischöfe,  Nr. 61), Bonn 1999.
ANGENENDT A., Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum. Von den Anfängen bis heute, Münster 2015.
SEIFERT J., Johannes Paul II. über die Ehemoral. Seine Lehren und ihre Hintergründe in einer personalistischen Philosophie der menschlichen Sexualität, in: Internationale Katholische Zeitschrift „Communio“ 26 (1997) 44-65.
VODERHOLZER R. (Hg.), Zur Seelsorge wiederverheirateter Geschiedener. Dokumente, Kommentare und Studien der Glaubenskongregation. Mit einer Einführung von Joseph Ratzinger/ Benedikt XVI., Würzburg 2014.


Moraltheologie (Seminar) – Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

 Ehe und Familie in guter Gesellschaft?
Im Herbst 1998 verabschiedete die Deutsche Bischofskonferenz ein Wort der deutschen Bischöfe mit dem Titel „Ehe und Familie – in guter Gesellschaft“. Darin wird zu Beginn betont, dass Ehe und Familie zu den vordringlichsten Aufgabenfeldern in unserer Gesellschaft gehören. Neben vielen praktischen Problemen jedoch, so die  Bischöfe, gebe es heute „auch mehr oder minder theoretisch fundierte Umdeutungen von Ehe und  Familie“ (Vorwort).
Fast zwanzig Jahre später kann resümiert werden, dass Umdeutungen vielfach erfolgt bzw. weitergeführt wurden: In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Auffassungen über das Zusammenleben der Menschen deutlich gewandelt (die Einstellungen zu vor- und außerehelichem Zusammenleben, Ehescheidung, Wiederheirat, Homosexualität etc.). Dies hat unter anderem dazu geführt, dass im Sommer 2017 der Deutsche Bundestag die sogenannte „Ehe für alle“ beschlossen hat. Gleichgeschlechtliche Menschen können somit eine standesamtlich gültige Ehe schließen.
Aber auch innerkirchlich ist in den vergangenen Jahren viel über Ehe und Familie gesprochen und zum Teil heftig gestritten worden. Das Seminar soll Einblicke in die Geschichte von Ehe und Familie im christlichen und außerchristlichen Kontext geben und danach fragen, was Ehe und Familie im Kern ausmacht und was als unverzichtbare Bestandteile für Kirche und Gesellschaft beibehalten werden sollte. (2 SWS)

Literatur:
Literatur wie zur Vorlesung Moraltheologie (s.o.).


Kirchenrecht – Dozent: Prof. Dr. Christoph Ohly

1.) Einführung in das Kirchenrecht
Kirche und Recht stehen nicht selten in einem emotional begründeten Widerspruch. Was hat die Botschaft des Evangeliums mit dem Phänomen „Recht“ zu tun? Ist das Recht nicht vielmehr ein ungeliebter Hemmschuh jeder kirchlichen Seelsorge? Ausgehend von einer notwendig theologischen Grundlegung des Kirchenrechts gibt die Vorlesung einen Überblick über wesentliche Komponenten des Kirchenrechts, u.a. zur kirchlichen Rechtsgeschichte, zum Aufbau des kirchlichen Gesetzbuches (Codex Iuris Canonici) sowie zu den grundlegenden Rechtsinstrumenten, wie sie im Liber I des CIC/1983 (Allgemeine Normen) dargeboten und in der kirchlichen Praxis verwendet werden. (1 SWS)

Rechtsquellen:
Codex Iuris Canonici, Lat.-dt. Ausgabe, Kevelaer 82017 (= CIC/1983).
Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Lat.-dt. Ausgabe, Paderborn 2000 (= CCEO).

Einstiegsliteratur:
AYMANS W., MOERSDORF K., Kanonisches Recht. Lehrbuch aufgrund des Codex Iuris Canonici, Paderborn u.a. 131991 (Band I), 131997 (Band II), 132007 (Band III), 132013 (Band IV).
FRHR. V. CAMPENHAUSEN A., RIEDEL-SPANGENBERGER I., SEBOTT R. (Hg.), Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht, Bde. I-III, Paderborn u.a. 2000, 2002, 2004.
HAERING S., REES W, SCHMITZ H. (Hg.), Handbuch des katholischen Kirchenrechts (3. Aufl.), Regensburg 2015.
HAERING S., SCHMITZ H. (Hg.), Lexikon des Kirchenrechts, Freiburg-Basel-Wien 2004.
LUEDICKE K. (Hg.), Münsterischer Kommentar zum Codex Iuris Canonici unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Loseblattwerk, Essen 1985 ff.

Weiterführende Literatur:
Wird fortlaufend zu den Vorlesungen angegeben.

2.) Kirchliches Verfassungsrecht I
Das kirchliche Verfassungsrecht behandelt die rechtliche Struktur der Kirche. Dabei ist gemäß der ekklesiologischen Lehre des II. Vatikanischen Konzils nicht nur die innere Ausgestaltung der Kirche gemäß göttlicher Offenbarung in den Blick zu nehmen. Wesentlich gehört dazu auch das Grundverständnis der Katholischen Kirche im ökumenischen Zusammenhang der ganzen Christenheit. Im ersten Teil der sich über mehrere Semester erstreckenden Vorlesung werden zunächst die Grundlagen der kanonistischen Communio-Theologie, die einschlägigen Canones zur Grundstellung des Christgläubigen und zur Gesamtkirche sowie deren verfassungsrechtlich relevanten Organe behandelt. (1 SWS)

Rechtsquellen:
Codex Iuris Canonici, Lat.-dt. Ausgabe, Kevelaer 82017 (= CIC/1983)
Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Lat.-dt. Ausgabe, Paderborn 2000 (= CCEO).

Einstiegsliteratur:
AYMANS W., MOERSDORF K., Kanonisches Recht. Lehrbuch aufgrund des Codex Iuris Canonici, Paderborn u.a. 131997 (Band 2), besonders §§ 48-81.
FRHR. V. CAMPENHAUSEN A., RIEDEL-SPANGENBERGER I., SEBOTT R. (Hg.), Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht, Bde. I-III, Paderborn u.a. 2000, 2002, 2004.
HAERING S., REES W., SCHMITZ H. (Hg.), Handbuch des katholischen Kirchenrechts (3. Aufl.), Regensburg 2015. besonders §§ 15-25.
HAERING S., SCHMITZ H. (Hg.), Lexikon des Kirchenrechts, Freiburg-Basel-Wien 2004.
LUEDICKE K. (Hg.), Münsterischer Kommentar zum Codex Iuris Canonici unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Loseblattwerk, Essen 1985 ff.

Weiterführende Literatur:
Wird fortlaufend zu den Vorlesungen angegeben.


Religionspädagogik – Dozentin: Dr. Annemarie Piller

Religionspädagogik I: Grundlagen – zwischen Theologie, Psychologie und Pädagogik
Das Fach Religionspädagogik ist als Teilfach des Bereichs der praktischen Theologie neben seiner Ausrichtung auf die Religionslehrerausbildung auch verpflichtend für das Studium im Rahmen der Priesterausbildung, sofern auch hier der Religionsunterricht bzw. die Religionslehre – traditionell eng verwandt mit der klassischen Katechese – über die Schule hinaus einen eigenen Stellenwert innehat. Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist die Religionspädagogik schon auf fachwissenschaftlicher Ebene interdisziplinär ausgelegt, mit den Schwerpunkten Theologie, Psychologie und Pädagogik, was für das Theologiestudium z.T. die fächerübergreifende Einblicknahme in andere Wissenschaften erfordert.
Die Vermittlung des Fachs Religionspädagogik im Rahmen des Studium Rudolphinum ist demzufolge zweigliedrig, verteilt auf zwei Semester mit je einer Vorlesung zu je zwei Wochenstunden: a) als Grundlegung/Einführung, b) als Aufbau- bzw. Vertiefung. Das bedeutet für das WS 2017/18 unter dem Titel Religionspädagogik I die Behandlung der Grundlagen bzw. der Einführung in das Fach entspr. a) – der Studienordnung folgend mit den Schwerpunkten „Grundfragen religiöser Erziehung“, „Entwicklungspsychologie“ sowie vorausblickend auf die allgemein pädagogischen Aspekte der „Pfarrkatechese“ (deren etablierte Bereiche „Jugendarbeit und Jugendpastoral“, d.h. in der Praxis: Kommunion- u. Firmvorbereitung, ferner Ministrantenarbeit, aber auch Tauf- u. Ehevorbereitung freilich schon in die Vertiefungsvorlesung des Folgesemesters gehören). (2 SWS)

Literatur:
BIESINGER A., Kinder nicht um Gott betrügen : Warum religiöse Erziehung so wichtig ist. 15. Aufl., überarb. Neuaufl. Freiburg i.Br. : Herder, 2012.
WICKI W., Entwicklungspsychologie. 2., aktual. u. erw. Aufl. München ; Basel : E. Reinhardt Verl., 2015 (UTB 3287).
SCHMITT K.-H., „Gemeindekatechese“. In: Lexikon für Theologie und Kirche [LthK]. Bd. 4, Freiburg i. Br. ; Basel etc. : Herder, 1995, Sp. 425f.


NT-Exegese – Dozent: Prof. Dr. Hans-Ulrich Weidemann

Die Urgemeinde – Die Anfänge der Kirche in Jerusalem und die Öffnung zu den Nichtjuden
Als „Urgemeinde“ im engeren Sinne bezeichnet man die Gruppierungen christusgläubiger Juden in Jerusalem. Deren wechselvolle Geschichte, die von den Osterereignissen bis in die Zeit vor dem zweiten jüdischen Aufstand (um 135 n. Chr.) reicht, steht im Zentrum der Vorlesung: ihre Anfänge und ihr Selbstverständnis als endzeitliche Heilsgemeinde in Israel, wichtige Personen(gruppen) und Führungsfiguren, ihre Verkündigung, ihre gottesdienstlichen Feiern, aber auch erste Konflikte und interne Fraktionsbildungen.
Zu einer Geschichte der Urgemeinde gehören aber auch die sog. hellenistischen Judenchristen in Jerusalem, in deren Kreisen wohl erste Distanzierungen zum Tempelkult vorgenommen wurden. Vermutlich waren es Angehörige dieser Gruppe, die außerhalb Jerusalems zum ersten Mal auch die Grenzen des Judentums überschritten und Nichtjuden als Gemeindemitglieder akzeptiert haben. Insbesondere in der Ekklesia von Antiochia wurde der theologische und organisatorische Nährboden der Missionsarbeit des Paulus (der mit seiner Kollekte immer das Band zur Jerusalemer Urgemeinde festhielt!), aber auch anderer Heidenmissionare bereitet. Beim sog. Apostelkonvent erzielten die Jerusalemer und die antiochenische Gemeinde noch eine grundlegende Übereinkunft, wie mit zum Glauben kommenden Heiden zu verfahren ist.
Die Geschichte der Urgemeinde ist Teil der Entwicklung einer ursprünglich innerjüdischen Reformbewegung hin zur zunehmenden heidenchristlichen Großkirche und damit Teil der „Trennung(en) der Wege“ von Frühjudentum und Frühchristentum. Auch diese parallel zur inneren Entwicklung des Judentums (v.a. zwischen 70 und 135 n. Chr.) verlaufenden Prozesse der Abgrenzung und der wechselseitigen Selbstfindung, der Trennungen und Interaktionen werden in die Darstellung der Geschichte des frühen Christentums einbezogen. (2 SWS)

Quellen:
Vor allem die Apostelgeschichte des Lukas und die Briefe des Apostels Paulus, außerdem die Kirchengeschichte des Eusebius (v.a. die Notizen Hegesipps) sowie das Werk des Flavius Josephus über den Jüdischen Krieg.

Literaturauswahl:
BOYARIN D., Border Lines. The Partition of Judaeo-Christianity, Philadelphia 2004 (dt. Übersetzung: Abgrenzungen. Die Aufspaltung des Judäo-Christentums [ANTZ 10], Verlag Institut Kirche und Judentum, Berlin 2009).
DUNN, J. D. G., Beginning from Jerusalem (Christianity in the Making Vol. 2), Grand Rapids 2009.
DUNN, J. D. G., Neither Jew Nor Greek. A Contested Identity (Christianity in the Making 3), Grand Rapids 2015.
FRANKENMÖLLE H., Frühjudentum und Urchristentum, Vorgeschichte-Verlauf-Auswirkungen, Stuttgart 2006.
KOCH D.-A., Geschichte des Urchristentums. Ein Lehrbuch, Göttingen 2013.
SCHNELLE U., Die ersten 100 Jahre des Christentums 30-130 n. Chr. (UTB), Göttingen 2015.
WEIDEMANN H.-U., Jesus ist der Herr. Vorbemerkungen zur Christologie der „Urgemeinde“, in: G. AUGUSTIN u.a. (Hg.), Mein Herr und mein Gott. Christus bekennen und verkünden (FS Walter Kardinal Kasper), Freiburg etc. 2013, 43-69.


VORLESUNGEN SOMMERSEMESTER 2017

II. STUDIENABSCHNITT

Vorlesungszeit: 24. April -21. Juli 2017  (Pfingstferien 03. – 06. Juni 2017)

 2. Studienabschnitt

 

 

Vorlesungen

sommersemester 2017

 

Beginn: 24. April 2017

 

 

 

 

Dogmatik

Dozent: Prof. Dr. Christoph Binninger

 

Gnadenlehre

„Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“

(1Kor 1,2b)

 

Die Lehre von der Gnade beschäftigt sich mit dem Mysterium. Wie das von Christus erworbene Heil dem einzelnen Menschen geschenkt wird, damit er Anteil am göttlichen Leben gewinnt. Es geht um „den Übergang der Heilstat Jesu Christi im Heiligen Geist auf den Einzelnen und dessen Einbeziehung in die Geschichte des Heils.“ (Scheffczyk)

 

In einem ersten Teil widmet sich die Vorlesung der biblischen Grundlegung der Gnadenlehre und deren theologiegeschichtlicher Entfaltung (u.a. Augustinus, Thomas von Aquin, Reformatoren und das Konzil von Trient).

Der zweite Teil der Vorlesung stellt sich systematischen Fragestellungen (u.a. Verhältnis von Gnade und Freiheit. Prädestination, Rechtfertigung, aktuelle und heiligmachende Gnade, Verdienst).

 

(1 SWS)

 

Literatur:

PESCH O. H., PETERS A., Einführung in die Lehre von der Gnade und Rechtfertigung, Darmstadt 19943.

GRESHAKE G., Geschenkte Freiheit. Einführung in die Gnadenlehre, Freiburg/Br. 1992.

GANOCZY A., Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen. Grundriss der Gnadenlehre, Düsseldorf 1989.

MÜLLER G.H., Katholische Dogmatik. Für Studium und Praxis der Theologie, Freiburg/Br. 19983.

BINNINGER, C., Mysterium inhabitationis Trinitatis. M. J. Scheebens theologische Auseinandersetzung mit der Frage nach der Art und Weise der übernatürlichen Verbindung der göttlichen Personen mit dem Gerechten: MthS 62, München 2003.

KKD V.

HDG III,5b.

MySal IV,2.

 

 

Ekklesiologie

„In eben dem Maß als einer die Kirche liebt, in eben dem Maß hat er den Heiligen Geist.“ (Augustinus)

 

In einer Zeit, in der noch immer der verhängnisvolle Slogan „Jesus: Ja – Kirche: Nein!“ bei vielen Menschen gegenwärtig ist, möchte die Vorlesung auf das Wesen und die Bedeutung der von Christus gestifteten Kirche näher eingehen.

 

(3 SWS)

 

Literatur:

CONGAR Y., Die Kirche als Volk Gottes, in: IKaZ 1(1965) 5 – 16.

JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Schreiben Christifideles Laici über die Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt.

RATZINGER J., Die Ekklesiologie des Zweiten Vatikanums, in: IKaZ 15 (1986) 41 – 52.

SCHEFFCZYK L., Das Unwandelbare im Petrusamt, Berlin 1971.

SCHLIER H., Die Zeit der Kirche, Freiburg/Br. 1956.

BINNINGER C., „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht.“ Berufen zum Aufbau des Gottesreiches unter den Menschen. Die Laienfrage in der katholischen Diskussion in Deutschland um 1800 bis zur Enzyklika „Mystici Corporis“ (1943): MThS 61, München 2002.

KEHL M., Die Kirche. Eine katholische Ekklesiologie, Würzburg 1992.

KKD VIII.

HDG III, 3b.

 

 

 

 

Liturgiewissenschaft

Dozent: Dr. Sven Boenneke

 

Liturgik II: Kirchenjahr und Stundengebet

Die Vorlesung baut auf der Fundamentalliturgik des Wintersemesters auf und behandelt die Feier des Pas’cha-Mysteriums im zeitlichen Rhythmus von Tag, Woche und Jahr. Die gottesdienstliche Feier der Kirche entfaltet das eine Pas’cha-Mysterium z.B. im Stundengebet, der Sonntags- und Osterfeier sowie den Festen und Zyklen des Jahreskreises. Deren prägende liturgische Symboliken und Typologien ebenso wie ihr historisches Werden gilt es, auf einen Vollzug „mit geistlicher Frucht“ (SC 94, vgl. AES 11) hin zu erschließen.

 

(2 SWS)

 

Literatur:

AUF DER MAUR, H., Feiern im Rhythmus der Zeit I: Herrenfeste in Woche und Jahr, bei: Gottesdienst der Kirche 5, Regensburg 1983.

BUNGE G., Irdene Gefäße. Die Praxis des persönlichen Gebetes nach der Überlieferung der heiligen Väter, Beuron 2017.

DANIELOU J., Liturgie und Bibel. Die Symbolik der Sakramente bei den Kirchenvätern, München 1963.

DE CHAMPEAUX G., STERCKX S., Einführung in die Welt der Symbole, Würzburg 1990 u.ö.

MEßNER R. Einführung in die Liturgiewissenschaft, Paderborn u.a., 22009.

PASCHER J., Das liturgische Jahr, München 1963.

PIEPER J., Zustimmung zur Welt: eine Theorie des Festes, München 1963 u.ö.

RECH P., Inbild des Kosmos. Eine Symbolik der Schöpfung, Salzburg u.a. 1966.

TAFT R., The Liturgy of the Hours in East and West. The Origins of the Divine Office and Its Meaning for Today, Collegeville 1986.

TALLEY T., The Origins of the Liturgical Year, Collegeville 21991.

WOOLFENDEN G., Daily Liturgical Prayer. Origins and Theology, Aldershot 2004.

 

 

 

 

Moraltheologie

Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

 

Spezielle Moraltheologie: bioethische Fragestellungen (I)

Seit mehreren Jahrzehnten stellen uns die biomedizinischen Erkenntnisse mit ihren zahlreichen neuen Anwendungsfeldern vor ethische und moralische Herausforderungen, die in vorangegangenen Zeiten nicht oder allenfalls am Rande thematisiert und einer Antwort zugeführt werden brauchten. Das – im Vergleich zu heute – große Maß an „Nicht-Wissen“ früherer Generationen im Bereich der Biomedizin äußerte sich nicht zuletzt dadurch, dass die Menschen in der Regel Behinderung, Krankheit und Tod als unvermeidbares Schicksal hinnahmen, das dem göttlichen Willen entsprach.

In der Vorlesung werden zunächst grundlegende Begriffe der bioethischen Auseinandersetzung aufgegriffen und erläutert. Unterschiede und Gemeinsamkeiten einer säkularen Bioethik und einer theologischen Lebensethik werden angesprochen. Neben der Frage nach dem Tötungsverbot (im Generellen, wie in Bezug auf Abtreibung und Euthanasie), werden die Sexualität des Menschen, reproduktionsmedizinische Techniken, gentechnologische Möglichkeiten und die Organtransplantation thematisiert.

 

(3,5 SWS)

 

Literatur:

Enzyklika „Evangelium vitae“ von Papst Johannes Paul II. über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens (= Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 120), Bonn 1995.

Enzyklika „Humanae vitae“ über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens (= Nachkonziliare Dokumentation, Bd. 14), Trier 4. Auflage 1979 (1. Auflage 1968).

Instruktion der Kongregation für die Glaubenslehre über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung. Antworten auf einige aktuelle Fragen (= Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 74), Bonn 1987.

Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland/ Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Sterbebegleitung statt aktiver Sterbehilfe. Eine Textsammlung kirchlicher Erklärungen (= Gemeinsame Texte, Nr. 17), Hannover/Bonn 2003.

Lexikon der Bioethik, Bd. 1-3 (hg. von Wilhelm Korff u.a.), Gütersloh 2000.

Lexikon der christlichen Ethik (auf der Grundlage des Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage; hg. von Gerfried W. Hunold), Bd. 1-2, Freiburg/Br. 2003.

BREUER C., Person von Anfang an? Der Mensch aus der Retorte und die Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens, Paderborn 2. Auflage 2003.

GRAF R., Klonen: Prüfstein für die ethischen Prinzipien zum Schutz der Menschenwürde, St. Ottilien 2003.

SCHOCKENHOFF E., Ethik des Lebens. Grundlagen und neue Herausforderungen, Freiburg/Br. u.a. 2009.

 

 

 

 

AT-Exegese

Dozent: Prof. Dr. Oliver Dyma

 

Ijob (Hiob)

Das Buch Ijob stellt uns vor die theologisch brisante Frage des Leids, speziell des Leidens des Gerechten. Verschiedene Perspektiven werden eingenommen und Antwortmöglichkeiten durchgespielt. Die mannigfaltige Aufnahme der Frage und der Figur des Ijob sowie die reiche Sekundärliteratur gerade auch der letzten Jahre zeigen, dass wir damit nicht zu Ende kommen, dass es eine Antwort auf die Theodizee-Problematik letztlich nicht gibt. Der Glaube und das theologische Nachdenken rühren an ihre Grenze.

Neben den verschiedenen traditionellen Argumentationsmustern, die im Text auf die einzelnen Charaktere aufgeteilt sind, ist auch die literarische Strategie interessant: Die Leserinnen und Leser nehmen eine beobachtende Perspektive der Handlung ein, bekommen zugleich ihre eigenen Argumentationen vor Augen geführt und müssen sich letztlich selbst eine Meinung bilden.

 

(3 SWS)

 

Literatur:

HECKL R., Hiob – vom Gottesfürchtigen zum Repräsentanten Israels. Studien zur Buchwerdung des Hiobbuches und zu seinen Quellen (FAT 70), Tübingen 2010.

LUX R., Hiob. Im Räderwerk des Bösen (Biblische Gestalten 25), Leipzig 2012.

SCHMID K., Hiob als biblisches und antikes Buch. Historische und intellektuelle Kontexte seiner Theologie (SBS 219), Stuttgart 2010.

SCHWIENHORST-SCHÖNBERGER L., Ein Weg durch das Leid. Das Buch Ijob, Freiburg u.a. 2007.

STIER F., Das Buch Ijob, hrsg. von E. Beck und M. Sonntag, Stuttgart 2011.

WITTE M. (Hg.), Hiobs Gestalten. Interdisziplinäre Studien zum Bild Hiobs in Judentum und   Christentum (Studien zu Kirche und Israel NF 2), Leipzig 2012.

 

Zur Vorbereitung: Lesen Sie zur Vorbereitung das Ijob-Buch durch sowie ergänzend dazu die Erläuterungen in einer Einleitung (Zenger bzw. Gertz) oder den Artikel von Markus Witte, Hiob/ Hiobbuch: wibilex, https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/11644/, 2007.

 

 

 

 

 

Pastoraltheologie

Dozent: Prof. Dr. Veit Neumann

 

Individualisierung und Heterogenität – Anforderungen an den Seelsorger heute

Mitverursacht durch sozialen Wandel begegnen dem Seelsorger heute wiederholt gegenläufige Tendenzen in kirchlichen Formen und an kirchlichen Orten von Gemeinschaft (Pfarrei). Vielgestaltige Lebensentwürfe und Glaubenswege sind ein Indiz für die zunehmende Heterogenität (auch) unter gläubigen Menschen, die sich hier zeigt. Die Vorlesung problematisiert die Ausrichtung von Seelsorgekonzepten an Zielgruppen und überlegt, welche kommunikativen Kompetenzen dagegen in dieser Situation einer neuen Unübersichtlichkeit Vermittlung und Verkündigung ermöglichen. Gefragt wird, welche praktischen und welche geistlichen Voraussetzungen erforderlich sind, um im pastoralen Alltag zu bestehen.

 

(2 SWS)

 

Literatur:

EBERTZ M. N., Keine Freude, keine Hoffnung? Diakonia 46 (2015) 3, S. 174-180.

HELLGERMANN A., In der Falle der Individualisierung, Katechet. Blätter 138 (2013) 4, S. 288-292

INFÜHR H., Lebendigere Gemeinden durch Aktivierung von Zielgruppen. Der Beitrag der Aktionsforschung zur Gemeindebildung, Diakonia 2 (1981) 1, S. 22-39.

MERK R., Zauberwort Zielgruppe, Diakonie 1999, 6, S.10.

 

 

 

Kirchenrecht

Dozent: Prof. Dr. Christoph Ohly

 

Staatskirchenrecht

In der Frage nach dem rechten Verhältnis von Staat und Kirche ist seit längerer Zeit von einem interessanten Begriffspaar die Rede: Laizismus und Laizität. Die Termini stehen entgegen einer vermeintlichen Synonymität für zwei differierende Ansätze. Der Begriff „Laizismus“ geht zurück auf den französischen Pädagogen Ferdinand Buisson und bezeichnet eine weltanschauliche Denkweise, die eine radikale Trennung von Kirche und Staat fordert. In seiner ersten Enzyklika betont Papst Benedikt XVI., dass dem Christentum die Unterscheidung eigen sei zwischen dem, was des Kaisers ist, und dem, was Gottes ist (vgl. Mt 22,21). Auch hier geht es um eine bereits vom II. Vatikanischen Konzil herausgestellte Unterscheidung von Staat und Kirche, um die „Autonomie des weltlichen Bereichs“ (Deus caritas est, 28), jedoch im Sinne einer „gesunden Laizität“, die dem Staat die ihm zukommende Autonomie zugesteht, zugleich aber der Kirche das Recht einräumt, „die Vernunft zu reinigen“ (Benedikt XVI.). Die Vorlesung erarbeitet mögliche Grundmodelle einer solchen rechtlich relevanten Beziehung. Mit einem Schwerpunkt auf die Rechtsverhältnisse in Deutschland kommen schließlich die damit zusammenhängenden rechtlichen Sachbereiche (Religionsunterricht, Anstaltsseelsorge, kirchliches Besteuerungsrecht, etc.) zur Sprache.

 

(2 SWS)

 

Literatur: Quellentexte und Sekundärliteratur werden fortlaufend zu den Vorlesungen angegeben.

 

Einstiegsliteratur:

AYMANS W., MÖRSDORF K., Kanonisches Recht. Lehrbuch aufgrund des Codex Iuris Canonici, Bd. I, Paderborn u.a. 1991, hier bes. S. 82-101.

FREIHERR V. CAMPENHAUSEN A., Staatskirchenrecht. Eine systematische Darstellung des Religionsverfassungsrechts in Deutschland und Europa Ein Studienbuch, München 42006.

FREIHERR V. CAMPENHAUSEN A., RIEDEL-SPANGENBERGER I., SEBOTT R. SJ (Hg.), Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht, Bde. I-III, Paderborn u.a. 2000, 2002, 2004.

LISTL J., PIRSON D. (Hg.), Handbuch des Staatskirchenrechts der Bundesrepublik Deutschland (2. Aufl.), 2 Bde., Berlin 1994-1995.

HAERING S., REES W., SCHMITZ H. (Hg.), Handbuch des katholischen Kirchenrechts, Regensburg 32015, hier bes. §§ 116-126.

 

 

 

 

Kirchenrecht

– Seminar –

Dozent: Prof. Dr. Christoph Ohly

 

Kirchenrecht in Theorie und Praxis

„Was sagt denn das Kirchenrecht dazu?“ – Diese Frage taucht in der kirchlichen Praxis auf, wenn für ungeklärte Situationen im Leben der Kirche oder von Gläubigen eine verlässliche Antwort gesucht wird, so z.B. im Bereich der Verkündigung, des Eherechts, der Sakramentenspendung, des Pfarreilebens, des Hochschulwesens u.a.m. Das Seminar unternimmt den interessanten Versuch, anhand von kirchenrechtlich relevanten Fallbeispielen aus der Praxis einschlägige Themen des Kirchenrechts als Wissenschaft zu erarbeiten und mit ihrer Hilfe die jeweiligen Problemstellungen zu lösen. So kann wissenschaftliches Arbeiten im Bereich des Kirchenrechts mit seiner konkreten Anwendung in der Praxis verbunden werden.

 

(2 SWS)

 

Literatur: Die Literatur für die zu bearbeitenden Fallbeispiele wird vom Verantwortlichen der jeweiligen Seminarsitzung angegeben.

 

Einstiegsliteratur:

AYMANS W., MÖRSDORF K., Kanonisches Recht. Lehrbuch aufgrund des Codex Iuris Canonici, Bd. I-IV, Paderborn u.a. 1991, 1997, 2007, 2013.

HAERING S., REES W., SCHMITZ H. (Hg.), Handbuch des katholischen Kirchenrechts, Regensburg 32015.

FREIHERR V. CAMPENHAUSEN, A., RIEDEL-SPANGENBERGER I., SEBOTT R. SJ (Hg.), Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht, Bde. I-III,  Paderborn u.a. 2000, 2002, 2004.

HAERING S., SCHMITZ H. (Hg.), Lexikon des Kirchenrechts, Freiburg-Basel-Wien 2004.

LÜDICKE K. (Hg.), Münsterischer Kommentar zum Codex Iuris Canonici u. bes. Berücksichtigung der Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Loseblattwerk, Essen 1985 ff.

 

NT-Exegese

– Seminar –

Dozent: Prof. Dr. Hans-Ulrich Weidemann

 

Das Kreuz – neutestamentliche Perspektiven auf den Tod Jesu Christi

Im Seminar werden wir uns gemeinsam die grundlegenden Aussagen der neutestamentlichen Hauptschriften über das Geschehen von Golgotha erarbeiten. Dazu gehört auch das zeitgeschichtliche Umfeld: Anhand der Aussagen antiker Autoren (v.a. Cicero, Seneca, Flavius Josephus) sowie der (spärlichen) archäologischen Befunde lässt sich die antike Wahrnehmung der Kreuzesstrafe erkennen, ihr Vollzug rekonstruieren und die mit ihr verbundene symbolische Kommunikation rekonstruieren. Dem werden die alttestamentlich-jüdischen Voraussetzungen für das Verstehen und Versprachlichen des Todes Jesu an die Seite gestellt: v.a. Stellvertretung und Sühnekult. Sodann werden zentrale Passagen aus den Corpora des NT erarbeitet: Insbesondere natürlich die großen kreuzestheologischen Entwürfe des Apostels Paulus, die kulttheologischen Aussagen des Hebräerbriefes, die visionären Aussagen um das geschlachtete Lamm der Offenbarung, der 1. Petrusbrief usw. Im Falle des Paulus kommen die kreuzestheologische Erschließung von Taufe und Eucharistie hinzu, aber auch die kreuzestheologische Signatur seines eigenen Apostolats und der eigenen Leiblichkeit, trägt er doch nach eigner Aussage das Todesleiden Jesu am eigenen Leib herum (2 Kor 4) und die Stigmata Jesu (Gal 6,17). Ein eigenes Thema bilden jene der sog. Christushymnen des NT, die explizit das Kreuz Jesu thematisieren (Philipperhymnus, Kolosserhymnus). Aus der narrativen Jesusüberlieferung der Evangelien werden Szenen aus den Passionserzählungen historisch und theologisch analysiert, das gilt insbesondere für das letzte Abendmahl Jesu.

 

(2 SWS)

 

Literatur zum Einstieg:

FREY J., SCHRÖTER J. (Hg.), Deutungen des Todes Jesu im Neuen Testament. 2., durchges. und mit einer neuen Einl. vers. Aufl., Tübingen 2012.

JANOWSKI B., Ecce homo. Stellvertretung und Lebenshingabe als Themen Biblischer Theologie (BThS 84), Neukirchen-Vluyn 22009.

STIEWE M., VOUGA F., Bedeutung und Deutungen des Todes Jesu im Neuen Testament. Ein theologischer Essay (Neutestamentliche Entwürfe zur Theologie 19), Tübingen-Basel 2011.

STRIET M. (Hg.), Gestorben für wen? Zur Diskussion um das „pro multis“ (Theologie kontrovers) Freiburg-Basel-Wien 2007.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Griechische Lektüre zur Vorlesung (fakultativ)

Dozent: Prof. Dr. Hans-Ulrich Weidemann

 

Griechische Lektüre ausgewählter neutestamentlicher Texte zur Kreuzestheologie

In der Lektüre werden zentrale Texte aus dem Themenfeld des Seminars im Fach NT-Exegese (s.o.) gemeinsam übersetzt und theologisch vertieft. Außerdem werden sprachliche und theologische Probleme besprochen.

 

(2 SWS)

 

Literatur:

NESTLE, ALAND, Novum Testamentum Graece, 28. Auflage, Stuttgart.