Vorlesungsverzeichnis Studienabschnitt-II

Sommersemester 2026
(Beginn: 13. April 2026)

Dogmatik
Dozent: Prof. Dr. Christoph Binninger

Gnadenlehre
„Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ (1Kor 1,2b)
Die Lehre von der Gnade beschäftigt sich mit dem Mysterium. Wie das von Christus erworbene Heil dem einzelnen Menschen geschenkt wird, damit er Anteil am göttlichen Leben gewinnt. Es geht um „den Übergang der Heilstat Jesu Christi im Heiligen Geist auf den Einzelnen und dessen Einbeziehung in die Geschichte des Heils.“ (Scheffczyk)
In einem ersten Teil widmet sich die Vorlesung der biblischen Grundlegung der Gnadenlehre und deren theologiegeschichtlicher Entfaltung (u.a. Augustinus, Thomas von Aquin, Reformatoren und das Konzil von Trient). Der zweite Teil der Vorlesung stellt sich systematischen Fragestellungen (u.a. Verhältnis von Gnade und Freiheit. Prädestination, Rechtfertigung, aktuelle und heiligmachende Gnade, Verdienst). (1 SWS)

Literatur:
PESCH, O. H., PETERS, A., Einführung in die Lehre von der Gnade und Rechtfertigung, Darmstadt 19943.
GRESHAKE, G., Geschenkte Freiheit. Einführung in die Gnadenlehre, Freiburg/Br. 1992.
GANOCZY, A., Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen. Grundriss der Gnadenlehre, Düsseldorf 1989.
MÜLLER, G.H., Katholische Dogmatik. Für Studium und Praxis der Theologie, Freiburg/Br. 19983.
BINNINGER, C., Mysterium inhabitationis Trinitatis. M. J. Scheebens theologische Auseinandersetzung mit der Frage nach der Art und Weise der übernatürlichen Verbindung der göttlichen Personen mit dem Gerechten: MthS 62, München 2003.
KKD V.
HDG III,5b.
MySal IV,2.

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Ekklesiologie
„In eben dem Maß als einer die Kirche liebt, in eben dem Maß hat er den Heiligen Geist.“ (Augustinus)
In einer Zeit, in der noch immer der verhängnisvolle Slogan „Jesus: Ja – Kirche: Nein!“ bei vielen Menschen gegenwärtig ist, möchte die Vorlesung auf das Wesen und die Bedeutung der von Christus gestifteten Kirche näher eingehen. (3 SWS)

Literatur:
CONGAR, Y., Die Kirche als Volk Gottes, in: IKaZ 1(1965) 5 – 16.
JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Schreiben Christifideles Laici über die Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt.
RATZINGER, J., Die Ekklesiologie des Zweiten Vatikanums, in: IKaZ 15 (1986) 41 – 52.
SCHEFFCZYK, L., Das Unwandelbare im Petrusamt, Berlin 1971.
SCHLIER, H., Die Zeit der Kirche, Freiburg/Br. 1956.
BINNINGER C., „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht.“ Berufen zum Aufbau des Gottesreiches unter den Menschen. Die Laienfrage in der katholischen Diskussion in Deutschland um 1800 bis zur Enzyklika „Mystici Corporis“ (1943): MThS 61, München 2002.
KEHL M., Die Kirche. Eine katholische Ekklesiologie, Würzburg 1992.
KKD VIII.
HDG III, 3b.

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Liturgiewissenschaft
Dozent: Dr. Sven Boenneke

Liturgie II: Liturgische Zyklen in Kirchenjahr und Stundengebet
Auf der Grundlage von Sacrosanctum concilium werden die liturgischen Zyklen behandelt. Das Kirchenjahr mit seinen Fest- und Fastenzeiten wird einerseits in seiner historischen Entwicklung dargestellt, aber andererseits auch vom Sonntag und von Ostern her symbolisch und typologisch erschlossen, denn „im Kreislauf des Jahres“ entfaltet die Kirche „das ganze Mysterium Christi“ (SC 102). Der zweite Schwerpunkt liegt auf dem Stundengebet, dessen Werden und heutige Gestalt transparent gemacht werden soll auf seinen Gehalt und einen Vollzug „mit geistlicher Frucht“ (SC 94, vgl. AES 11) hin. (2 SWS)

Literatur:
ADAM A., Das Kirchenjahr mitfeiern, Freiburg i.B. u.a. 1979.
DERS., HAUNERLAND, W., Grundriss Liturgie, Freiburg i. Br. u.a., 32018.
Allgemeine Einführung in das Stundengebet, z.B. in: Die Feier des Stundengebetes. Stundenbuch. … Erster Band …, Freiburg i.B. u.a. 1978 u.ö., 25*-106*.
BRADSHAW, P. F., The Search for the Origins of Christian Worship. Sources and Methods for the Study of Early Liturgy, London 22002.
DERS., JOHNSON, M. E., The origins of feasts, fasts and seasons in early Christianity, bei: Alciun Club collections 86, London 2011.
BUNGE, G., Irdene Gefäße. Die Praxis des persönlichen Gebetes nach der Überlieferung der heiligen Väter, Würzburg 11996 u.ö.
DANIELOU, J., Liturgie und Bibel. Die Symbolik der Sakramente bei den Kirchenvätern, München 1963.
GERHARDS, A., KRANEMANN, B., Einführung in die Liturgiewissenschaft, Darmstadt 32013
JUNGMANN, A., Liturgie der christlichen Frühzeit bis auf Gregor den Grossen, Freiburg / Schweiz 1967.
KAMPMANN, Th., Das Kirchenjahr. Mysterium, Gestalt, Katechese, Paderborn 31964.
KELLNER, H., Heortologie oder die geschichtliche Entwicklung des Kirchenjahres und der Kirchenfeste von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart, Freiburg i.B. u.a. 31911.
KLÖCKNER, M., RENNINGS, H., (Hgg.), Lebendiges Stundengebet. Vertiefung und Hilfe, Freiburg i.B. u.a. 1989 (FS L. Brinkhoff).
MESSNER, R., Einführung in die Liturgiewissenschaft, Paderborn, bei: utb 2173, München u.a. 22009.
PASCHER, J., Das liturgische Jahr, München 1963.
DERS., Das Stundengebet der römischen Kirche, München 1954.
PLÖGER, J. G. (Hg.), Gott feiern. Theologische Anregung und geistliche Vertiefung zur Feier von Messe und Stundengebet, Freiburg i.B. u.a. 1980 (FS Th. Schnitzler).
RECH, Ph., Inbild des Kosmos. Eine Symbolik der Schöpfung, 2 Bde., Salzburg, Freilassing 1966.
Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Beten mit der Kirche. Hilfen zum neuen Stundengebet, Regensburg 1978.
TAFT, R. F., The Liturgy of the Hours in East and West. The Origins of the Divine Office and its Meaning for Today, Collegeville / Minn. 11986 u.ö.

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Moraltheologie
Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

Nicht für Studierende, die im Wintersemester 2023/24 den II. Studienabschnitt begonnen haben!

Ehe und Familie nach dem heiligen Papst Johannes Paul II. (1978-2005)
Karol Wojtyla/ Johannes Paul II. hat sich über Jahrzehnte mit moraltheologischen Themen im Allgemeinen und mit Ehe und Familie im Besonderen befasst. Nicht wenige seiner Gedanken haben Eingang in Texte des II. Vatikanischen Konzils gefunden (z.B. „Gaudium et spes“). In der Vorlesung wird der Lebensweg dieses Papstes nachgezeichnet und sein wissenschaftliches Werk umrissen. Zahlreiche seiner Schriften befassen sich mit dem Begriff der Person sowie Ehe und Familie. Sein theologisches Denken hat in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Maßstäbe gesetzt, deren positives Fortwirken bis heute erkennbar ist.
(1 SWS)

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Moraltheologie
(Seminar)
Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

Ehe und Familie in guter Gesellschaft?
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Auffassungen über das Zusammenleben der Menschen deutlich gewandelt (die Einstellungen zu vor- und außerehelichem Zusammenleben, Ehescheidung, Wiederheirat, Homosexualität etc.). Dies hat unter anderem dazu geführt, dass im Sommer 2017 der Deutsche Bundestag die sogenannte „Ehe für alle“ beschlossen hat. Gleichgeschlechtliche Menschen können somit eine standesamtlich gültige Ehe schließen.
Aber auch innerkirchlich ist in den vergangenen Jahren viel über Ehe und Familie gesprochen worden. Das Seminar soll Einblicke in die Geschichte von Ehe und Familie im christlichen und außerchristlichen Kontext geben und danach fragen, was Ehe und Familie im Kern ausmacht und was als unverzichtbare Bestandteile für Kirche und Gesellschaft unbedingt beibehalten werden sollte. (2 SWS)

Literatur:
Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben „Familiaris consortio“ über die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute (= Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 33) Bonn 1981.
Paul VI., Enzyklika „Humanae vitae“ über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens (lateinisch – deutsch), Trier 1979 (das Dokument ist 1968 erschienen).
Katechismus der Katholischen Kirche, München 1993, S. 590-605 (Artikel 6: Das sechste Gebot).
Katechismus der Katholischen Kirche. Kompendium, München 2005, S. 122-125 (Das Sakrament der Ehe); S. 173-176 (Das sechste Gebot: Du sollst nicht ehebrechen).
Päpstlicher Rat für die Familie (Hg.): Lexikon Familie. Mehrdeutige und umstrittene Begriffe zu Familie, Leben und ethischen Fragen (redaktionelle Bearbeitung der deutschen Ausgabe von Hans Reis), Paderborn 2007.
ANGENENDT, Arnold, Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum. Von den Anfängen bis heute, Münster 2015.
SEIFERT, Josef, Johannes Paul II. über die Ehemoral. Seine Lehren und ihre Hintergründe in einer personalistischen Philosophie der menschlichen Sexualität, in: Internationale Katholische Zeitschrift „Communio“ 26 (1997) 44-65.
VODERHOLZER, Rudolf (Hg.): Zur Seelsorge wiederverheirateter Geschiedener. Dokumente, Kommentare und Studien der Glaubenskongregation. Mit einer Einführung von Joseph Ratzinger/ Benedikt XVI., Würzburg 2014.

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AT-Exegese
Dozent: Prof. Dr. Oliver Dyma

Was bleibt vom Leben? Das Buch Kohelet
„Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.“ (Koh 1,2) Mit diesem Leitspruch nimmt das Buch Kohelet (Prediger) die Vergänglichkeit des Lebens, aber auch von Reichtum und Glück in den Blick. Es konfrontiert mit der Frage, wie man angesichts des Todes und angesichts der Unkenntnis dessen, was dem Tode folgt, leben soll. Angesichts des sicheren Todes und der Vergänglichkeit von allem das Leben zu genießen ist dabei der Grundtenor. Dies sind Fragen der israelitischen Weisheit, die auch heute noch unmittelbar ansprechen.
In der Lehrveranstaltung werden zunächst der Aufbau der ganzen Schrift sowie deren historische Verortung in den Blick genommen. Dann beschäftigen wir uns mit einzelnen zentralen Texten und der literarischen Strategie. Schließlich sollen auch außerbiblische Parallelen betrachtet werden. (3 SWS)

Literatur zu Einführung:
WITTE, M. (2006). Prediger / Predigerbuch: wibilex – https://bibelwissenschaft.de/stichwort/31168/
SPIECKERMANN, H. Jugend—Alter—Tod: Kohelets abschließende Reflexion: Koh 11:7-12:8. (2020)
Vetus Testamentum, 70(1), 193-208. https://doi.org/10.1163/15685330-12341435
KOEHLMOOS, M., Kohelet. Der Prediger Salomo, ATD 16,5, Göttingen 2015.
SCHELLENBERG, A., Kohelet, ZBK.AT 17, Zürich 2013.

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Pastoraltheologie
Prof. Dr. Veit Neumann

Die Pfarrei als zentraler kirchlicher Ort
Woher kommt die Pfarrei, wohin geht sie? Formen der Vergesellschaftung entwickeln sich, Ansprüche an die Pfarrei als kirchliche Organisation bleiben bestehen. Angesichts solcher Entwicklungen wird nach Modellen des Miteinanders als Christen und Christinnen gefragt, nicht zuletzt in Zeiten der Neustrukturierung bzw. Auflösung von Pfarreien. Wesentliche Merkmale der Pfarrei werden vorgestellt und kritisiert. Dabei geht es auch um die Kommunikation mit dem Ziel der Verkündigung und der Weitergabe des Glaubens. (2 SWS)

Literatur:
DEGEN, Susanne, XXL-Pfarrei. Wie Menschen Kirche entwickeln, Würzburg, 2018.
KLOECKENER, Martin, SPICHTIG, Peter, Leib Christi sein – feiern – werden. Ort und Gestalt der Eucharistiefeier in der Pfarrei, Freiburg (Schweiz) 2006.
HERDER KORRESPONDENZ Spezial: Letzter Aufruf: Pastoral unter neuen Bedingungen, Freiburg i.Br. 2019.
SPIELBERG, B., Kann Kirche noch Gemeinde sein? Praxis, Probleme und Perspektiven der Kirche vor Ort, Würzburg, 2008.

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Kirchenrecht
Dozent: Prof. Dr. Yves Kingata

Kirchliches Verfassungsrecht III
Die Vorlesung bietet einen Abriss der hierarchischen Verfassung der Kirche und behandelt dazu einige zentrale Fragen des Ordensrechts. Der erste Block ist der hierarchischen Verfassung gewidmet: Teilkirchenverbände, Teilkirche und ihre Leitungsstrukturen, Dekanat, Pfarrei. Zudem soll auch der Akzent auf die Ämter des Kirchenrektors, des Seelsorgers für besondere Gemeinschaften und Fragen der kategorialen Seelsorgestrukturen gesetzt werden. Der zweite Teil beginnt mit den kirchlichen Vereinen, bevor der Fokus auf ausgewählte Fragen des Ordensrechts gelegt wird. (2 SWS)

Literatur 
AYMANS, W., Kanonisches Recht. Lehrbuch aufgrund des Codex iuris canonici. Begründet von Eduard Eichmann, fortgeführt von Klaus Mörsdorf, neu bearbeitet von Winfried Aymans, 13., völlig neu bearb. Aufl., Bd. I-IV, Paderborn u.a. 1991/1997/2007/2015. 
BERKMANN, B. J., Die Diözesankurie: Blick hinter die Kulissen der Bistumsverwaltung, Berlin 2021.
HAERING, S., REES W., SCHMITZ, H., (Hrsg.), Handbuch des katholischen Kirchenrechts, 3. Aufl. grundlegend neubearb., Regensburg 2015. 
LEDERHILGER S., GRASSMANN A. E., (Hg.), Die Leitung der kanonischen Lebensverbände. Kirchenrechtliche Normierungen und aktuelle Herausforderungen, Regensburg 2025.
LUEDICKE, K. (Hrsg.), Münsterischer Kommentar zum Codex Iuris Canonici unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Essen seit 1985 (Loseblattwerk; Stand des Gesamtwerks: 61. Lfg., Februar 2022) (mit periodisch aktualisiertem Quellen- und Literaturverzeichnis). 

Kirchliches Eherecht I
Die Kernaussage des katholischen Eherechts besteht darin, dass die Ehe als Gemeinschaft des ganzen Lebens durch den Ehebund von Mann und Frau begründet wird, der zwischen Ge­tauften von Christus zum Sakrament erhoben wurde (vgl. c. 1055 § 1 CIC). Wie in Art. 48 GS wird der Akt der Eheschlie­ßung ebenso im CIC als „Ehebund“ (foedus) bezeichnet. Dadurch wird die personale gegenseitige Selbstübereignung der Eheschließenden ausgedrückt, die mehr ist als eine vertragliche Übertragung von Rechten und Pflichten. Um das katholische Eheverständnis besser erfassen zu können setzt die Vorlesung „Eherecht I“ den Fokus auf die grundlegenden und weiterführenden Fragen hinsichtlich der Voraussetzungen zur katholischen Eheschließung und zu den Ehehindernissen. (2 SWS)

Literatur:
AYMANS, W., Kanonisches Recht. Lehrbuch aufgrund des Codex iuris canonici. Begründet von Eduard Eichmann, fortgeführt von Klaus Mörsdorf, neu bearbeitet von Winfried Aymans, 13., völlig neu bearb. Aufl., Bd. I-IV, Paderborn u.a. 1991/1997/2007/2015.
PREE, H., Kirchenrecht: allgemeine Normen und Eherecht, Wien 1983.
ZAPP, H., Kanonisches Eherecht, Freiburg 1988.
HAERING, S., REES, W., SCHMITZ, H., (Hrsg.), Handbuch des katholischen Kirchenrechts, 3. Aufl. grundlegend neubearb., Regensburg 2015.
LÜDICKE, K. (Hrsg.), Münsterischer Kommentar zum Codex Iuris Canonici unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Essen seit 1985 (Loseblattwerk; Stand des Gesamtwerks: 61. Lfg., Februar 2022) (mit periodisch aktualisiertem Quellen- und Literaturverzeichnis).

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NT-Exegese (Seminar)
Dozent: Prof. Dr. Hans-Ulrich Weidemann

„Zungenrede, Prophetie und Paraklet“: Der Heilige Geist im Neuen Testament
In dem Seminar wollen wir die ganze Breite der neutestamentlichen Geistaussagen in den Blick nehmen. Im Zentrum stehen die großen „Pneumatologen“ des Neuen Testaments, vor allem der Apostel Paulus und die Evangelisten Lukas und Johannes. Weitere wichtige Passagen aus der deuteropaulinischen Literatur und der Apokalypse kommen hinzu. Wir gehen aber auch den Szenen in den Evangelien und der Apostelgeschichte nach, in denen der Geist in narrativem Kontext als Erzählfigur und Akteur erscheint. Dies bezieht sich auf die Erzählungen von der Taufe Jesu, in denen dieser als Geistempfänger, Geistträger und Geistspender präsentiert wird, aber auch auf die Pfingst- und andere Erzählungen der Apostelgeschichte, in denen vom Wirken des Geistes erzählt wird.
Dabei interessiert uns das ganze pneumatologische Spektrum: von den dynamisch-ekstatischen Phänomenen der Frühzeit über die Erfahrungen der Immanenz des Geistes in den Glaubenden bis hin zur Erkenntnis, dass der Geist Person und personales Gegenüber ist. Letzteres insbesondere in den Parakletsprüchen der johanneischen Abschiedsreden.
Wir werden außerdem den neutestamentlichen Aussagen nachgehen, die den Glauben und die Taufe, aber auch die Eucharistie (als „geistige Speise und Trank“) mit dem Wirken des Geistes in Verbindung bringen, woraus dann die liturgischen Epiklesen entstanden sind. Ebenso die Geisteskräfte und Charismen, mit denen der Geist seine Kirche beschenkt, sie strukturiert, diversifiziert und leitet. Wir wollen aber auch Phänomene in den Blick nehmen, die heute weniger im Bewusstsein sind: die urkirchliche Prophetie, die Zungenrede und andere ekstatische Phänomene, aber auch die Verbindung von Geist und Gebetsleben.
Flankiert werden diese Textanalysen durch traditions- und religionsgeschichtliche Kontextualisierungen in der alttestamentlich-frühjüdischen, aber auch der stoischen und der hellenistisch-jüdischen Umwelt.

Literatur zur Einführung:
FREY, J., / SCHIESSLER, B./ FELDMEIER, R. (Hg.), Geist. Phänomenologie – Religionsgeschichte – Theologie. Ein Kompendium, (WUNT 542), Tübingen 2025. – open access: DOI: https://doi.org/10.1628/978-3-16-164849-6
SÖDING, T., Das Wehen des Geistes: Aspekte neutestamentlicher Pneumatologie, in: Nitsche, Bernhard / Dirscherl, Erwin (Hg.), Atem des sprechenden Gottes: Einführung in die Lehre vom Heiligen Geist, Regensburg: Pustet, 2003, 22–71. http://dx.doi.org/10.15496/publikation-76974

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Griechische Lektüre zur Vorlesung
(fakultativ)

Dozent: Prof. Dr. Hans-Ulrich Weidemann
In der Lektüre werden zentrale Texte aus dem Stoff des Seminars gemeinsam übersetzt und theologisch vertieft.