Vorlesungsverzeichnis Studienabschnitt-II

Vorlesungen im Sommersemester 2021 (Beginn: 12. April 2021)

Dogmatik – Dozent: Prof. Dr. Christoph Binninger

Sakramentenlehre II

Um das Werk des Heils zu verwirklichen, ‚ist Christus seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen… Mit Recht gilt also die Liturgie als Vollzug des Priesteramts Christi; durch sinnenfällige Zeichen wird in ihr die Heiligung des Menschen bezeichnet und in je eigener Weise bewirkt…‘ (SC 7) Die Sakramente Christi vermitteln somit den Menschen das Heil: die Gemeinschaft mit Gott und allen Erlösten.

Die Vorlesung stellt die Heilsbedeutung der Sakramente Ordo und Krankensalbung dar. (2 SWS)

Literatur:

  1. HDG IV 1a und HDG IV 1b.
  2. KASPER, W., Zur Theologie der christlichen Ehe, Mainz 1976.
  3. MUßNER, F., Der Jakobusbrief, Freiburg/Br. 19752.
  4. RATZINGER, J., Opfer, Sakrament und Priestertum in der Entwicklung der Kirche, in: Catholica 26 (1972) 108-125.
  5. KKD VII.
  6. MÜLLER, G.L., Katholische Dogmatik, Freiburg/Br. 19983, 628-768.

Grundzüge einer katholischen Eschatologie

Jeden Tag gehen wir unserem eigenen Tod entgegen. Er kommt – unausweichlich. Was aber dürfen wir hoffen? Die Frage nach einem Leben nach dem Tod wird bei vielen Menschen ausgeklammert oder mit Hilfe synkretistischer Elemente beantwortet. Was aber lehrt die katholische Kirche über das Leben nach dem Tode? Was bedeuten „Tod“, „Fegfeuer“, „Himmel“ und „Hölle“, „Auferstehung der Toten“, „Jüngstes Gericht“ usw.?  (2 SWS)

Literatur:

  1. RATZINGER, J. Eschatologie. Tod und ewiges Leben, Regensburg 19782.
  2. MÜLLER, G. L., Katholische Dogmatik. Für Studium und Praxis, Freiburg/Br. 19983, 516 – 579.
  3. Handbuch der Dogmengeschichte IV, 7a – d.
  4. SCHLIER, H., Das Ende der Zeit, Freiburg/Br. 1971.

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 Liturgiewissenschaft – Dozent: Dr. Sven Boenneke

Sakramente und Kasualien II

Das „ganze liturgische Leben der Kirche (kreist)… um das eucharistische Opfer und um die Sakramente“ (vgl. KKK 1113, SC 6). Daher folgt auf die Vorlesung über die hl. Messe nun die Darlegung der übrigen Sakramente und der Kasualien. Dabei werden die jeweiligen Feiern in den Hauptetappen ihrer historischen Entwicklung vorgestellt sowie ihre heutige Form liturgietheologisch und -pastoral erschlossen: denn die „Sakramente sind hingeordnet auf die Heiligung der Menschen“ (SC 59). (2 SWS)

Literatur:

  1. ADAM, A., HAUNERLAND, W., Grundriss Liturgie, Breiburg i.Br. 112018.
  2. BUGNINI, A., Die Liturgiereform. 1948-1975. Zeugnis und Testament. Freiburg i.Br. 1988.
  3. CHUPUNGCO, A. (Hg.), Sacraments and Sacramentals: Handbook for Liturgical Studies IV, Collegeville 2000.
  4. KLEINHEYER, B., Sakramentliche Feiern I: Gottesdienst der Kirche. Handbuch für Liturgiewissen-schaft 7/1, Regensburg 1989.
  5. DERS., v. SEVERUS, E., KACZYNSKI, R., Sakramentliche Feiern II: Gottesdienst der Kirche 8, Regensburg 1984.

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 Moraltheologie – Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

Die Wandlung des Verständnisses von Ehe und Familie durch reproduktionsmedizinische Techniken 

Seit mehreren Jahrzehnten werden beim Menschen reproduktionsmedizinische Techniken angewandt, die inzwischen zur Geburt vieler Menschen geführt haben. Zahlreiche weitere Verfahren sind in diesem Kontext zu sehen: die Forschung an und mit Embryonen, das reproduktive und sogenannte „therapeutische“ Klonen, die Stammzellenforschung, die Präimplantations-diagnostik, die sogenannte „Leihmutterschaft“ etc. Die Vorlesung zeichnet die Entwicklung der letzten Jahrzehnte nach und konfrontiert diese mit Aussagen der katholischen Kirche. Darf die Medizin das technisch Mögliche umsetzen? Wo sind aus ethischer Sicht Grenzen des medizinisch Machbaren? (1,5 SWS)

Literatur:

  1. Instruktion der Kongregation für die Glaubenslehre über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung „Donum vitae“. Antworten auf einige aktuelle Fragen (= Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 74), Bonn 1987.
  2. Instruktion der Kongregation für die Glaubenslehre „Dignitatis Personae“ über einige Fragen der Bioethik (= Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 183), Bonn 2008.
  3. BREUER, C.,  Person von Anfang an? Der Mensch aus der Retorte und die Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens, Paderborn 2. Auflage 2003.
  4. BERNARD, A., Kinder machen. Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie. Samenspender, Leihmütter, Künstliche Befruchtung, Frankfurt/ M. 2014.

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Moraltheologie (Seminar) – Dozent: Prof. Dr. Clemens Breuer

 Moraltheologische Fragestellungen um Sterben und Tod:

Sterbehilfe, Sterbebegleitung, Todesdefinitionen, Organtransplantation, Todesstrafe, Suizid, Abtreibung

Das Wissen, dass jeder Mensch einmal sterben wird, gehört zu den Grunddimensionen des Lebens. Von vielen Menschen lange Zeit verdrängt, von manchen akzeptiert und wenigen bewusst mit in die Zeit des Lebens hineingenommen, ist doch erkennbar, dass jeder Mensch seinen eigenen Tod erfährt. Grundlegend kann zwischen dem Todeseintritt als natürliche Folge im Verlauf des menschlichen Entwicklungsprozesses und dem durch Menschen bewusst herbeigeführten Tod unterschieden werden. Der „natürliche“ Tod wird als göttliches Los oder als Schicksal aufgefasst, dem idealerweise eine möglichst gute Sterbevorbereitung und -begleitung vorausgeht. Seit jeher gehört jedoch auch der bewusst herbeigeführte Tod zur Menschheitsgeschichte. Durch unterschiedlichste Gründe haben Menschen einander den Tod gewünscht und ihn nicht selten – besonders in Kriegszeiten – herbeigeführt. Die Selbsttötung gehört als Sonderfall ebenfalls zur Menschheitsgeschichte. Durch biomedizinische Möglichkeiten herausgefordert, stellt sich seit einigen Jahrzehnten verschärft die Frage nach dem definitiven Todeszeitpunkt des Menschen, da Organverpflanzungen das Leben anderer Menschen verlängern können.   (2 SWS)

Literatur:

  1. BORASIO, G. D., Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen, München 2011.
  2. BREUER, C., Wann ist der Mensch tot? Der Tod des Menschen in der Auseinandersetzung um die Verwertung seines Körpers, in: Zeitschrift für medizinische Ethik 42 (1996) 91-102.
  3. HOHENDORF, G., ODUNCU, F. S., Der ärztlich assistierte Suizid. Freiheit zum Tode oder Unfreiheit zum Leben?, in: Zeitschrift für Medizinische Ethik 57 (2011) 230-241.
  4. REHDER, S., Grauzone Hirntod. Organspende verantworten, Augsburg 2010.
  5. REITER, J., Verfügungen am Lebensende. Rechtliche und ethische Aspekte zur neuen Patientenverfügung, in: Die Neue Ordnung 64 (2010) 257-267.
  6. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Eltern trauern um ihr totes neugeborenes Kind. Hinweise und seelsorgerliche Begleitung (= Arbeitshilfen, Nr. 109), Bonn 1993.
  7. SPLETT, J., Abschied von Ungeborenen. Erinnerung an einen Vorschlag, in: Zeitschrift für medizinische Ethik 57 (2011) 225-229.
  8. STROECKER, R., Der Hirntod: Ein medizinethisches Problem und seine moralphilosophische Transformation, Freiburg/Br. 2010.
  9. VAN LOENEN, G., Das ist doch kein Leben mehr! Warum aktive Sterbehilfe zu Fremdbestimmung führt, Frankfurt/ M. 2014

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AT-Exegese – Dozent: Prof. Dr. Oliver Dyma

Die Schöpfung

Zu den Basiskategorien theologischen Nachdenkens gehört die Vorstellung der Schöpfung. Wir verstehen die Welt als Schöpfung, uns selbst als Geschöpfe, als aus dem Schöpferwillen Gottes entsprungen. Die beiden Schöpfungstexte der Genesis gehören zu den bekanntesten Texten des Alten Testaments überhaupt, da sie in der Liturgie, im Unterricht, aber auch in der künstlerischen Rezeption ihren Platz haben. Aussagen über Gott als Schöpfer und seine Schöpfung finden sich aber auch in anderen, oft unbekannten Texten: In den Ijob-Dialogen wird die Unbegreiflichkeit der Schöpfung thematisiert, Deuterojesaja formuliert die monotheistische Spitzenaussage „Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil.“ (Jes 45,7) Die Welt als Schöpfung zu verstehen heißt daher auch zu fragen, wie das Verhältnis Gottes zu dieser Schöpfung ist, zu fragen, woher das Unheil in der Welt kommt, aber auch darüber nachzudenken, wie der Mensch in seinem Verhältnis zu Gott und zur Welt gesehen wird. Die Autoren der Priesterschrift haben dafür die nachhaltig wirksame Vorstellung der Gottebenbildlichkeit entwickelt. Das Alte Testament hat Konzeptionen aus seiner Umwelt aufgegriffen und verarbeitet. Wir werden verschiedene biblische Texte mit ihrer jeweiligen Schöpfungstheologie kennen lernen und, um diese besser zu verstehen, uns mit den Mythen und Bildern der altorientalischen Umwelt auseinandersetzen. Gerade bei den Schöpfungstexten wird die Hermeneutik biblischer Texte besonders deutlich (Stichworte: Kreationismus, sog. Neuer Atheismus). Wir beschäftigen uns daher auch mit solchen Fragen: Wie können wir diese Texte heute noch verstehen, wie ist ihr Verhältnis zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen?  (3 SWS)

Literatur:

  1. SCHMID, K. (Hg.), Schöpfung (Themen der Theologie 4; utb 3514), Tübingen 2012.
  2. KEEL, O., SCHROER, S., Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext altorientalischer Religionen, Göttingen – Freiburg/CH 2002 (2. Auflage 2008).
    Themenheft „Schöpfung – Gabe und Aufgabe“: Bibel und Kirche 60 (2005), Heft 1.
  3. JEREMIAS, J., Theologie des Alten Testaments, GAT/ATD.E 6, Göttingen 2015.
  4. JANOWSKI, B., Tempel und Schöpfung. Schöpfungstheologische Aspekte der priesterlichen Heilig­tumskonzeption, in: ders., Gottes Gegenwart in Israel, Neukirchen-Vluyn 1993, 214–246.
  5. SMITH, M.S., The Priestly Vision of Genesis 1, Minneapolis 2010.
  6. BOORER, S., The Vision of the Priestly Narrative. Its Genre and Hermeneutics of Time, Ancient Israel and its Literature 27, Atlanta 2016.
  7. GUILLAUME, Ph., Land and Calendar. The Priestly Document from Genesis 1 to Joshua 18, LHBOT 391, New York 2009.
  8. BLUM, E., Noch einmal: Das literargeschichtliche Profil der P-Überlieferung, in: F. Harten­stein/K.
  9. SCHMID (Hg.), Abschied von der Priesterschrift? Zum Stand der Pentateuchdebatte, VWGTh 40, Leipzig 2015, 32–64.
  10. LEVIN, CH., Die Priesterschrift als Quelle. Eine Erinnerung, in: ebd., 9–31.

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Kirchenrecht – Dozent: Prof. Dr. Christoph Ohly

Kirchliches Verfassungsrecht 

Inhalt (cc. 368-430.460-514.515-572)

Der dritte Teil der Vorlesung „Kirchliches Verfassungsrecht“ knüpft an die Vorlesungen der vorausgegangenen Semester an und setzt die Überlegungen zur rechtlichen Struktur der Kirche fort. Die Grundeinsicht, dass das Verfassungsrecht gemäß der ekklesiologischen Lehre des II. Vatikanischen Konzils nicht nur die innere Ausgestaltung der Kirche gemäß göttlicher Offenbarung in den Blick zu nehmen, sondern auch das Grundverständnis der Katholischen Kirche im ökumenischen Zusammenhang der ganzen Christenheit zu erörtern hat, bleibt der notwendige Leitgedanke. Im Mittelpunkt der Überlegungen werden Struktur und Organe der Teilkirche (Diözese) stehen.

Rechtsquellen

  1. Codex Iuris Canonici, Lat.-dt. Ausgabe, Kevelaer 92018 (= CIC/1983).
  2. Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Lat.-dt. Ausgabe, Paderborn 2000 (= CCEO).

Literatur zum begleitenden Studium:

MÜLLER L., OHLY, C., Katholisches Kirchenrecht. Ein Studienbuch (utb 4307), Paderborn 2018, § 28 (Lit.).

Literatur zur Vertiefung:

  1. AYMANS, W., MÖRSDORF, K., Kanonisches Recht. Lehrbuch aufgrund des Codex Iuris Canonici, Paderborn u.a. 131997 (Band 2), besonders §§ 72-77.
  2. FRHR. V. CAMPENHAUSEN, A., RIEDEL-SPANGENBERGER, I., SEBOTT, R. (Hg.), Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht, Bde. I-III, Paderborn u.a. 2000, 2002, 2004.
  3. HAERING, S., REES, W., SCHMITZ, H. (Hg.), Handbuch des katholischen Kirchenrechts (3. Aufl.), Regensburg 2015, besonders §§ 37-49.
  4. LÜDICKE, K. (Hg.): Münsterischer Kommentar zum Codex Iuris Canonici unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Loseblattwerk, Essen 1985 ff. (hier cc. 368-572).

Vorlesung „Kirchliches Eherecht“

Inhalt (cc. 1055-1165)

Das Eherecht der Kirche gehört zu jenen kirchenrechtlichen Sachgebieten, die in der praktischen Anwendung in Seelsorge und Rechtsprechung wohl am häufigsten eine profunde und gesicherte Kenntnis einfordern. Aus diesem Grund sieht der Lehrplan für Kanonisches Recht eine gesonderte Vorlesung für diesen umfassenden Normbereich vor, der als elementare Ergänzung zur Vorlesung über die rechtliche Ordnung des gesamten kirchlichen Heiligungsdienstes zu verstehen ist. In der Vorlesung kommen deshalb alle einschlägigen und rechtlich bedeutsamen Fragen der Lehre über das Ehesakrament zur Sprache, die insbesondere durch den Codex Iuris Canonici vorgegeben sind: Eheverständnis und -lehre, Vorbereitung auf die Eheschließung, Ehehindernisse, Ehekonsens, Eheschließungsform, Frage der Mischehen, Wirkungen der Ehe, Fragen der Trennung und Auflösung von Ehen sowie deren Gültigmachung. (2 SWS)

Rechtsquellen

  1. Codex Iuris Canonici, Lat.-dt. Ausgabe, Kevelaer 92018 (= CIC).
  2. Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Lat.-dt. Ausgabe, Paderborn 2000 (= CCEO).

Literatur zum begleitenden Studium: MÜLLER, L., OHLY, C., Katholisches Kirchenrecht. Ein Studienbuch (utb 4307), Paderborn 2018, § 23 (Lit.).

Literatur zur Vertiefung:

  1. AYMANS, W., MÖRSDORF, K., Kanonisches Recht. Lehrbuch aufgrund des Codex Iuris Canonici, Paderborn u.a. 132007 (Band 3), besonders §§ 133-144.
  2. FRHR. V. CAMPENHAUSEN, A., RIEDEL-SPANGENBERGER, I., SEBOTT, R. (Hg), Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht, Bde. I-III, Paderborn u.a. 2000, 2002, 2004.
  3. HAERING, S., REES, W., SCHMITZ, H. (Hg.), Handbuch des katholischen Kirchenrechts (3. Aufl.), Regensburg 2015, besonders §§ 84-92.
  4. REINHARDT, H. F. J., ALTHAUS R., Die kirchliche Trauung. Ehevorbereitung, Trauung und Registrierung der Eheschließung im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz. Texte und Kommentar, Essen 32014.
  5. LÜDICKE, K., (Hg.), Münsterischer Kommentar zum Codex Iuris Canonici unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Loseblattwerk, Essen 1985 ff.

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Homiletik – Dozent: Dr. Werner Schrüfer

 „Gegenwärtig ist er in seinem Wort“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution, Kap. 7) Homiletik – Theologische und praktische Einführung in das Geschehen christlicher Verkündigung

Die Vorlesung setzt sich das Ziel, Theorie und Praxis christlicher Verkündigung einer umfassenden theologischen Bestandsaufnahme zu unterziehen, wobei der Begriff „Verkündigung“ die ganze Bandbreite öffentlicher und geistlicher Redesituationen beinhaltet.  Zugleich wird von jedem Teilnehmer erwartet, eine Ansprache zu erarbeiten und vorzutragen sowie sich diesbezüglich einer (internen) Analyse zu stellen.

Zur Vorbereitung und Grundlegung empfehle ich das aufmerksame Erleben von Situationen öffentlicher Rede und konzentriertes Hören sonntäglicher Predigten. (3 SWS)

Literatur:

  1. SCHÜEPP (Hg.), Handbuch zur Predigt, Zürich-Einsiedeln-Köln 1982.
  2. ZERFAß, R., Grundkurs Predigt, Bde. I und II, Düsseldorf 1987 und 1992.
  3. ROTH, U., SCHÖTTLER, H.-G., ULRICH, G. (Hg.), Sonntäglich. Zugänge zum Verständnis von Sonntag, Sonntagskultur und Sonntagspredigt (= Ökumenische Studien zur Predigt 4), München 2003.
  4. THIELE M., Geistliche Beredsamkeit. Reflexionen zur Predigtkunst, Stuttgart 2004.
  5. ENGEMANN, W., LÜTZE F. M. (Hg.), Grundfragen der Predigt. Ein Studienbuch, Leipzig22009.
  6. VOGT, F., Predigen als Erlebnis. Narrative Verkündigung. Eine Homiletik für das 21. Jahrhundert, Neukirchen-Vluyn 2009.
  7. Apostolisches Schreiben EVANGELII GAUDIUM des Heiligen Vaters Papst Franziskus (= Verlautbarungen des Apostolischen Stuhles, Nr. 194).
  8. WOLLBOLD, A., Predigen. Grundlagen und praktische Anleitung,  Regensburg 2017.

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Religionspädagogik – Dozentin: Dr. Annemarie Piller

Religionspädagogik II :

Theorien und Methodenkonzepte zwischen Schulunterricht und Katechese

Kommentar: Das Fach Religionspädagogik ist als Teilfach des Bereichs der praktischen Theologie neben seiner Ausrichtung auf die Religionslehrerausbildung auch verpflichtend für das Studium im Rahmen der Priesterausbildung, sofern auch hier der Religionsunterricht bzw. die Religionslehre – traditionell eng verwandt mit der klassischen Katechese – über die Schule hinaus einen eigenen Stellenwert innehat. Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist die Religionspädagogik schon auf fachwissenschaftlicher Ebene interdisziplinär ausgelegt, mit den Schwerpunkten Theologie, Psychologie und Pädagogik, was für das Theologiestudium z.T. die fächerübergreifende Einblicknahme in andere Wissenschaften erfordert.

Die Vermittlung des Fachs Religionspädagogik im Rahmen des Studium Rudolphinum ist demzufolge zweigliedrig, verteilt auf zwei Semester mit je einer Vorlesung zu je zwei Wochenstunden: a) als Grundlegung/Einführung, b) als Aufbau- bzw. Vertiefung.

Das bedeutet für das SS 2018 unter dem Titel Religionspädagogik II die vertiefende Behandlung religionspädagogischer Kernbereiche mit den Schwerpunkten religionspädagogische und -didaktische Standardtheorien und Methodenkonzepte („Grundlagen für den Schulunterricht“); pfarr- und diözesanzentrierte Katechese („Jugendarbeit und Jugendpastoral; Erwachsenenbildung“ – d.h. in der Praxis: Kommunion- u. Firmvorbereitung, Ministrantenarbeit, Tauf- u. Ehevorbereitung sowie christliche resp. katholische Bildungsarbeit). (2 SWS)

Literatur:

  1. HILGER, G., LEIMGRUBER S., ZIEBERTZ H.-G., Religionsdidaktik: Ein Leitfaden für Studium, Ausbildung und Beruf/ Unter Mitarbeit von Matthias Bahr, Stefan Heil et al. Neuausgabe, vollst. überarb. 6. Aufl. (1. Aufl. 2001) München: Kösel-Verl. 2010. [Standardwerk Kathol. Theol.].
  2. ADAM, G., LACHMANN, R., ROTHGANGEL M. (Hrsg.), Religionspädagogisches Kompendium: Grundlegung u. Kontexte ethischer Urteilsbildung. 8. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht, 2014. [Standardwerk Evang. Theol.].
  3. Die entsprechenden Verlautbarungen der Deutschen Bischöfe ab der Würzburger Synode von 1974.
  4. Lexikon für Theologie und Kirche: Stichworte „Erwachsenenbildung“, „Gemeindekatechese“. [LthK]. Bd. 4, Freiburg i. Br. ; Basel etc. : Herder, 1995.

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NT-Exegese – Dozent: Prof. Dr. Hans-Ulrich Weidemann

 Paulus, der Heidenapostel

Im Gedächtnis der Kirche wird Paulus als „Apostel der Völker“ erinnert. In den alten Antiphonen zum Fest der Bekehrung Pauli (In Conversione S. Pauli Apostoli) am 25. Januar wird er als praedicator veritatis et doctor gentium bezeichnet, im aktuellen Festhymnus zu diesem Tag als „der Heiden Lehrer“. Aber schon der gegen Ende des 1. Jhs. verfassten ersten Clemensbrief betont, dass Paulus „Herold im Osten wie im Westen“ war und „die ganze Welt Gerechtigkeit lehrte“ (1 Clem 5,6–7).

Diese Prädikate sind ein Reflex auf das einzigartige apostolische Selbstverständnis des Paulus, wie es in seinen authentischen Briefen greifbar ist. Die Grundlage dieses Selbstverständnisses ist seine apostolische Sendung „zu den Nationen“ (Gal 2,8), denen er „das Evangelium der Unbeschnittenheit“ (Gal 2,7) zu verkündigen hatte. Nach eigener Auskunft gründet diese Sendung zu den Heiden im sog. Damaskuserlebnis und stammt also direkt von Gott, dem es gefiel, „mir seinen Sohn zu offenbaren, damit ich ihn unter den Heiden verkünde“ (Gal 1,15f.). Im Römerbrief spricht Paulus dann ausdrücklich davon, dass er sein Apostelamt empfangen habe, um den Glaubensgehorsam unter allen (!) Völkern aufzurichten (vgl. Röm 1,5). So sieht sich Paulus ohne Einschränkung zum „Apostel der Heidenvölker“ (Röm 11,13) berufen.

Die kirchliche memoria des Heidenapostels korrespondiert diesem Befund – hatte aber oft einen blinden Fleck. Denn im Kontext der zunehmend, später exklusiv heidenchristlichen Kirche wurde über lange Jahrhunderte verdrängt und erst in den letzten Jahrzehnten neu zu Bewusstsein gebracht, dass der Heidenapostel sich Zeit seines Lebens als „Israelit als dem Samen Abrahams, aus dem Stamm Benjamin“ (Röm 11,1) verstanden und seiner jüdischen Identität konstitutive Bedeutung für sein Apostolatsverständnis, aber auch für seine Ekklesiologie und seien Israel-Theologie zugeschrieben hat. Gerade als Jude sah sich Paulus zu den Völkern gesandt.

Die Vorlesung geht von der These aus, dass dieses doppelgesichtige Selbstverständnis des Paulus einen wichtigen Schlüssel für das Verständnis seiner Briefe bereitstellt, und schlägt von dort Schneisen zu zentralen Texten des Corpus Paulinum. Zugleich wird das Wirken des Paulus wieder in seinen ursprünglichen Kontext verortet, nämlich im Kontext der Anfänge des Christusglaubens in Israel, der Entstehung der Kirche aus Juden und Heiden sowie des sich bereits zu Lebzeiten des Apostels abzeichnenden Nein Israels zum Christusevangelium sowie der Trennung der Wege von Synagoge und Kirche. Die Beschäftigung mit den paulinischen Texten soll uns neben dieser historischen Dimension aber auch neu unsere „heidenchristlichen“ Identität zu Bewusstsein bringen.

In der Vorlesung werden wir zunächst die wichtigsten Texte zur Berufung des Paulus zum Heidenapostel sowie seines Apostolatsverständnisses durchgehen. Dabei kommen auch die Antiochenische Gemeinde als wichtigster Praxis- und Erfahrungsraum des Paulus, seine eigenständige gesetzesfreie Heidenmission, die Kollekte für Jerusalem sowie wichtige ekklesiologische Passagen wie Gal 3,27f. und 1Kor 12 in den Blick. Eine eigene Einheit ist dann der Gesetzesfrage im Zusammenhang der paulinischen Rechtfertigungslehre gewidmet, hier werden wir exemplarisch zentrale Passagen des Galater- und des Römerbriefes lesen (Röm 5–8, vgl. Gal 3–5). Weitere Tiefenbohrungen, z.B. zur Grundlegung der paulinischen Ethik, schließen sich an. Den Abschluss bildet die Exegese der berühmten Israel-Kapitel Röm 9–11. (2 SWS)

Literatur (Auswahl):

  1. EHRENSPERGER, K., Paulus und die Völker – Aspekte der „Paul within Judaism“-Perspektive, in: Kirche und Israel 35 (2020) 118–131.
  2. FREDRIKSEN, P., Paul the Pagans‘ Apostle. New Haven / London 2017.
  3. HOFIUS, O., Paulus – Missionar und Theologe, in: Ders., Paulusstudien II (WUNT 143), Tübingen 2002, 1–16.
  4. KRAUS, W., Die Anfänge der Mission und das Selbstverständnis des Paulus als Apostel der Heiden, in: F. W. Horn (Hg.), Paulus-Handbuch, Tübingen 2013, 227–237
  5. NIEBUHR, K.-W., Heidenapostel aus Israel. Die jüdische Identität des Paulus nach ihrer Darstellung in seinen Briefen (WUNT 62), Tübingen 1991.
  6. SÖDING, Th., „Apostel der Heiden“ (Röm 11,13). Zur paulinischen Missionspraxis, in: Ders., Das Wort vom Kreuz. Studien zur paulinischen Theologie (WUNT 93), Tübingen 1997, 185–195.
  7. STENDAHL, K., Der Jude Paulus und wir Heiden. Anfragen an das abendländische Christentum, München 1978 [englisches Original: Paul among Jews and Gentiles and other essays].
  8. THIESSEN, M., Paul and the gentile problem, Oxford 2018.
  9. WEIDEMANN, Die Sexualität der Heiligen. Zur Frage von Universalität oder Partikularität der Moral in paulinischen Gemeinden, in: Ch. Breitsameder/S. Goertz (Hg.), Bibel und Moral. Ethische und exegetische Zugänge (JMTh 2), Freiburg i.Br. u.a. 2018, 85–122.
  10. WEIDEMANN, H.-U., Der Völkerapostel aus Israel. Schlaglichter aus den neueren Paulusdiskussionen, in: T. Güzelmansur/T. Specker (Hg.), Paulus von Tarsus, Architekt des Christentums? Islamische Deutungen und christliche Reaktionen (CIBEDO 4), Regensburg 2016, 153–191.

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Griechische Lektüre zur Vorlesung (fakultativ) – Dozent: Prof. Dr. Hans-Ulrich Weidemann

 In der Lektüre werden zentrale Texte aus den Paulusbriefen gemeinsam aus dem Griechischen übersetzt und theologisch vertieft. Außerdem werden sprachliche und theologische Probleme besprochen. (2 SWS)

Literatur: 

NESTLE, ALAND, Novum Testamentum Graece, 28. Auflage, S